Letztes Update am Di, 02.04.2019 12:08

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neue Musikvereinsintendanz: Die wichtigsten Konzerthäuser der Welt



Wien (APA) - Der Wiener Musikverein zählt zu den wichtigsten und bekanntesten Konzerthäusern der Welt. Der Goldene Saal für rund 2.000 Zuhörer in dem von Theophil Hansen entworfenen, 1870 eröffneten Bau, war aufgrund seiner hervorragenden Akustik und prunkvollen Ausstattung Vorbild für viele andere Konzertsäle. Im Folgenden eine Auswahl der wichtigsten Konzerthäuser der Welt.

CONCERTGEBOUW STERDAM - Vorbild stand der Musikverein etwa - gemeinsam mit dem Leipziger Neuen Gewandhaus - für den ehrwürdigen Koninklijk Concertgebouw in Amsterdam. Ebenfalls im Schuhschachtelformat, ebenfalls mit knapp 2.000 Plätzen, ebenfalls mit flachen Galerien, wurde das Königliche Konzertgebäude von Architekt Adolf Leonard van Gendt entworfen und 1888 eröffnet. Im selben Jahr wurde auch das weltweit renommierte Koninklijk Concertgebouworkest gegründet, dessen Klang stark durch seine Heimstätte geprägt wird. In seinen drei Sälen - neben dem Hauptsaal sind noch zwei kleinere vorhanden - zählt man mehr als 700.000 Besucher pro Jahr.

SUNTORY HALL TOKIO - 1986 eröffnet, war die Suntory Hall das erste Konzerthaus in Tokio speziell für klassische Musik. Finanziert wurde es vom Getränkehersteller und Whisky-Marktführer Suntory. Als erste japanische Halle wurde hier das Weinberg-Prinzip mit schräg terrassierten Besuchergalerien angewendet. Die Suntory Hall, in der heute mehr als 500 Konzerte jährlich etwa 600.000 Besucher anlocken, ist eine der ersten Arbeiten des Akustikers Yasuhisa Toyota, der auch für die Akustik der Hamburger Elbphilharmonie verantwortlich ist. Der große Saal - ebenfalls für etwa 2.000 Besucher - ist in hellem Eichenholz vertäfelt, genau wie die Whisky-Fässer von Suntory.

BERLINER PHILHARMONIE - Die Berliner Philharmonie wurde nach Entwürfen von Hans Scharoun 1963 mit Beethovens 9. Symphonie eröffnet. Wegen ihrer eigentümlichen, zirkusartigen Bauform mit dem Konzertpodium in der Mitte, wurde die Philharmonie bereits kurz nach Fertigstellung scherzhaft „Zirkus Karajani“ genannt, in Anspielung auf den damaligen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker Herbert von Karajan. Noch heute gilt die Philharmonie als Vorbild für alle Konzertsäle, die nach dem Weinberg-Prinzip gebaut sind. Ebenfalls Vorbildcharakter hat die „Digital Concert Hall“ der Berliner Philharmoniker - der Saal ist mit Livestream-Technologie ausgestattet und bietet so die Möglichkeit, ganze Konzerte in hoher Bild- und Tonqualität über das Internet zu verbreiten.

SYMPHONY HALL BOSTON - Die im Renaissancestil erbaute Konzerthalle wurde nach dem Vorbild des damaligen Leipziger Gewandhauses sowie des Wiener Musikvereins entworfen und 1900 eingeweiht. Die Architekten McKim, Mead & White aus New York zogen den jungen Physiker Wallace Clement Sabine aus Harvard für akustische Fragen zurate und schufen damit das erste Konzerthaus, dass aufgrund wissenschaftlich abgeleiteter akustischer Prinzipien errichtet wurde. Die Heimstätte des traditionsreichen Boston Symphony Orchester gilt als akustisch beste Halle der USA. Sie fasst rund 2.500 Besucher.

WALT DISNEY CONCERT HALL LOS ANGELES - Das futuristisch wirkende Gebäude aus rostfreiem Stahl wurde von Frank Gehry entworfen und 2003 eröffnet. Es hat die Form eines großen Segelschiffes mit gebogenen und gewellten Umrissen. Seinen Namen verdankt die Halle der Disney-Witwe, die dafür 50 Millionen Dollar spendete. Während die Architektur gemischte Meinungen hervorrief, wurde die Akustik des Konzertsaals allgemein gelobt. Es ist die Heimstätte des Los Angeles Philharmonic Orchestra - derzeit unter Chefdirigent Gustavo Dudamel - und wurde mit einem eigens komponierten Stück von Filmmusikmeister John Williams eröffnet.

KULTUR- UND KONGRESSZENTRUM LUZERN (KKL) - Der französische Architekt Jean Nouvel entwarf das moderne Konzerthaus, 1998 wurde es mit einem Konzert der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado eröffnet. Der Konzertsaal am Vierwaldstättersee mit 1.800 Plätzen ist eher konventionell und als klassische Schuhschachtel gebaut. Der hochkarätige Saal, eingerichtet von Akustiker Russel Johnson, verfügt über Klang- und Echokammern, die auf das Repertoire abgestimmt werden können. Genutzt wird der Saal unter anderem für das renommierte Lucerne Festival sowie für zahlreiche CD-Einspielungen.

CARNEGIE HALL NEW YORK - Die Carnegie Hall wurde von William Burnet Tuthill als Ziegelsteinbau im italienischen Renaissancestil entworfen. Zur Eröffnung 1891 kam Komponist Peter Tschaikowsky höchstpersönlich. Das Gebäude trägt den Namen von Andrew Carnegie, der den Bau finanzierte. Der große Saal heißt seit der Renovierung 1986 „Isaac Stern Auditorium“ und bietet Sitzplätze für 2.800 Zuschauer auf fünf Ebenen. Neben rund 250 Konzerte pro Jahr, finanziert sich das Haus über zahlreiche Vermietungen. Statt eines Residenzorchesters wird es von verschiedensten Proponenten sowohl aus Klassik wie aus Pop oder Jazz bespielt.

ELBPHILHARMONIE HAMBURG - Der spektakuläre Bau des 2016 eröffneten Konzertsaales in der Hamburger Hafen City zählte zu den Meilensteinen der europäischen Kulturbaugeschichte - nicht zuletzt aufgrund seiner Kosten von 866 Millionen Euro. Entworfen von Herzog & de Meuron, wurde unter auf den Sockel der Hülle des früheren Kaispeichers A (Baujahr 1963) ein moderner Aufbau mit einer Glasfassade gesetzt, die an Segel, Wasserwellen, Eisberge oder einen Quarzkristall erinnert. Im ersten Jahr nach der Eröffnung besuchten rund 850.000 Menschen die über 600 Konzerte in der Elbphilharmonie, über 4,5 Millionen Besucher pilgerten auf die Plaza. Für die heftig umkämpfte Akustik des 2.100 Plätze fassenden großen Saales von „Elphi“ zeichnete Yasuhisa Toyota verantwortlich.

PHILHARMONIE PARIS - Die Philharmonie de Paris des französischen Architekten Jean Nouvel wurde am 15. Jänner 2015 eröffnet. Nouvel hatte die Feier boykottiert, weil das Konzerthaus bei seiner Eröffnung noch nicht fertig war und er für die Kostensteigerung von 200 auf rund 380 Millionen Euro verantwortlich gemacht wurde. Für die Akustik zeichneten Harold Marshall und ebenfalls Yasuhisa Toyota verantwortlich. Die spektakuläre Außenhaut besteht aus 340.000 stilisierten Vögeln verschiedener Größen und Grautönen aus Aluminium. Etwa 150 Klassik-Konzerte finden hier pro Jahr statt, daneben stehen vor allem Pop und Weltmusik auf dem Programm. Statt im Zentrum wurde das Konzerthaus im Nordosten der Stadt direkt an der Autobahn errichtet - auch als kulturpolitisches Statement, ein breiteres Publikum ansprechen zu wollen.

WIENER KONZERTHAUS - Neben dem Musikverein verfügt Wien noch über einen weiteren Konzerttempel von Weltrang: Das Wiener Konzerthaus verbindet Elemente des späten Historismus, des Sezessionismus und des Jugendstils und wurde 1913 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Auf dem Programm standen Beethovens 9. Symphonie und ein neues Werk von Richard Strauss - das Nebeneinander von Tradition und Moderne sollte so schon im ersten Konzert des Hauses deutlich werden, mit dem man breitere Bevölkerungsschichten ansprechen wollte als im nur 200 Meter entfernten traditionsreichen Musikverein. In der Saison 2017/18 zählte man 595.400 Besucher in 934 Veranstaltungen.

( 0414-19, 88 x 130 mm)




Kommentieren