Letztes Update am Di, 02.04.2019 13:23

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verlobte in Wien getötet: Angeklagter machte Notwehrsituation geltend



Wien (APA) - Eine überraschende Verantwortung hat ein 40-jähriger Mann am Dienstag am Wiener Landesgericht präsentiert, wo er sich wegen Mordes an seiner Verlobten zu verantworten hatte. Der Angeklagte, der sich während des Ermittlungsverfahrens nicht zur Bluttat geäußert hatte, behauptete, die 50-Jährige habe ihn zunächst aus dem Fenster stoßen und dann „abstechen“ wollen. Da sei er wütend geworden.

„Sie war eine sehr, sehr gute Frau für mich“, betonte der Angeklagte eingangs der Verhandlung. Als er im vergangenen Sommer bei ihr eingezogen war, sei sie aber zusehends aggressiv geworden. Sie habe mit ihm keinen Sex mehr haben wollen und einen anderen Mann gehabt. Er habe sich von ihr aber nicht trennen können, weil er mit ihr nach islamischem Recht verheiratet war, erzählte der gebürtige Iraker, der 2004 mit seinen Eltern nach Österreich geflüchtet war. Außerdem habe er „diese Frau sehr geliebt“.

„Sie hat versucht, mich dauernd zu beleidigen“, lamentierte der Angeklagte. „Du hast auf der Brust keine Haare“, habe die um zehn Jahre ältere Frau immer wieder gesagt, „du bist kein richtiger Mann“. Weil sie am 8. September einen anderen Mann in ihrer Wohnung in der Leopoldstadt erwartete und er diese nicht verlassen wollte, habe sie ihm von hinten einen Stoß gegeben, „damit ich aus dem Fenster falle“, meinte der Angeklagte. Als ihr das nicht gelang, habe sie ein Messer gezückt: „Sie wollte mich mit dem Messer abstechen. Ich habe gesagt, bitte gib mir das Messer.“

Er habe Angst gehabt, sei dann aber zornig geworden: „Ich war ganz blind.“ Dann habe er schon „Blut gesehen“. „Ich wollte sie nicht umbringen“, versicherte der Iraker.

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Diese Darstellung widersprach diametral der Anklage, die sich auf Zeugen und die Spurenlage am Tatort stützte. Derzufolge fand sich auf drei verschiedenen Küchenmessern das Blut der Getöteten. Ein Hausbewohner hatte wiederum vom Stiegenhaus aus gesehen, wie der bewaffnete Angeklagte bei geöffneter Wohnungstür auf die Frau losging, die verzweifelt um Hilfe schrie. „Rettet mich! Er will mich abschlachten!“, brüllte die Frau.

Der Iraker war erst wenige Wochen zuvor bei der Frau eingezogen. Obwohl sie ihm das Ja-Wort geben wollte, kam es immer wieder zu Streitigkeiten. Nachbarn beschwerten sich, weil ihre Kinder aufgrund der lautstark geführten Auseinandersetzungen nicht schlafen konnten. Der 50-Jährigen passte nicht, dass ihr Partner nur untätig zu Hause saß, dem Alkohol zusprach und Cannabis konsumierte, während sie arbeiten ging. Sie wollte sich schließlich von ihm trennen, was sie mit ihrem Leben bezahlt habe, wie Staatsanwältin Julia Koffler-Pock darlegte. Die Anklägerin bezeichnete das inkriminierte Geschehen als „eine der vielen Beziehungstaten, bei der wieder einmal die Frau die Beziehung beenden will, der Mann das wieder einmal nicht akzeptiert und wieder einmal der Mann die Frau brutal hinrichtet“.




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