Letztes Update am Di, 02.04.2019 17:08

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Besser nicht aufs Pfund setzen



London/Frankfurt (APA/AFP) - Der Brexit hat schon zu vielen Spekulationen geführt. Unmittelbar spürbar sind sie im Währungskurs des britischen Pfund. Wie Kleinanleger, Urlauber und Studenten sich vor den Kursschwankungen schützen - oder davon profitieren können:

Kurz vor dem Referendum im Juni 2016 war ein Pfund noch rund 1,30 Euro wert. Bis Oktober 2016 sank das Pfund auf 1,11 Euro. Seitdem hat es sich nicht mehr erholt. Das bedeutet, dass Verbraucher aus der Eurozone sich in Großbritannien deutlich mehr leisten können als noch vor dem Brexit-Votum. Ob das allerdings so bleibt, ist völlig offen. Der EU und den Briten läuft die Zeit davon, um sich noch auf einen geordneten Ausstieg zu einigen.

„Der Markt ist immer noch optimistisch“, sagt die Währungsanalystin Antje Praefcke von der Commerzbank. „Ein harter Brexit ist nicht eingepreist“. Sollten die Briten ohne Abkommen aus der EU ausscheiden, wird das Pfund Praefckes Ansicht nach deutlich abwerten. Sollten sich die Parteien in letzter Minute noch einigen, könnte es wieder teurer werden. „Eine massive Aufwertung sehen wir aber nicht“.

Isabelle Buscke vom Brüsseler Büro des Verbraucherzentrale Bundesverbands sagt hingegen: „Wir gehen davon aus, dass der No-Deal schon ein Stück weit eingepreist ist“. So könnte der Markt bei einem harten Brexit moderater reagieren, bei einem Abkommen hingegen euphorisch nach oben schnellen.

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Die Entwicklung von Währungskursen hängt von so vielen Faktoren ab, dass Prognosen „fast immer ein Blick in die Glaskugel sind“, sagt der Chefredakteur des Verbraucherportals „Finanztip“, Hermann-Josef Tenhagen.

„Für Währungsspekulanten bietet die aktuelle Situation große Chancen und Risiken“, sagt Tenhagen. Online-Broker werben damit, dass auch Einsteiger schon mit wenig Geld bei Währungsschwankungen über sogenannte Hebelgeschäfte riesige Gewinne machen können. „Das ist wie Wetten auf der Galopprennbahn“, warnt Tenhagen. „Wir würden Verbrauchern immer davon abraten“, sagt auch Buscke. Doch auch wer nicht an diesem Casino teilhaben will, muss in den nächsten Wochen vielleicht ein bisschen spekulieren.

Wer beispielsweise in Großbritannien im Sommer Urlaub machen will, muss sich überlegen, ob er die Hotelrechnung heute schon oder erst vor Ort bezahlen will. Fällt das Pfund, wird es ein günstiger Urlaub - steigt das Pfund, wird es teurer. Tenhagen rät Urlaubern, die ersten Turbulenzen nach einer Brexit-Entscheidung abzuwarten.

Gleiches rät er europäischen Studenten, die Pfund für ihre Studiengebühren in Großbritannien brauchen. „Können sie in Raten zahlen, verringert sich das Risiko eines ungünstigen Kurses mit der Zeit“, sagt auch Verbraucherschützerin Buscke. Tenhagen geht davon aus, dass der Brexit der britischen Wirtschaft und damit auch dem Pfund langfristig eher schaden wird.

„Kleinanleger sollten bestehende Investments in britische Fonds und Anleihen nicht überhastet verkaufen“, sagt Buscke. Tenhagen rät, die Anlagen zurückzufahren, wenn sie einen großen Anteil im Portfolio einnehmen. Viele britische Aktiengesellschaften seien aber international aktiv und deshalb nicht so stark vom Pfund abhängig.

Auch Fest- und Tagesgeldkonten bei britischen Banken würde Tenhagen nicht jetzt kündigen. „Die meisten Konten deutscher Kunden laufen ohnehin in Euro“, sagt der Finanzexperte. Frisches Geld würde er aber nicht sofort in Großbritannien anlegen, sondern lieber global streuen. Das Risiko, dass eine Bank im Brexit-Chaos pleite geht und das Geld weg ist, hält Tenhagen aber für gering. „Die britische Einlagensicherung hat annähernd die gleichen Regeln wie die deutsche und ist zudem relativ gut ausgestattet“.




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