Letztes Update am Mi, 03.04.2019 05:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Leitspital Liezen: Rund 62.000 Personen stimmen bei Volksbefragung ab



Graz/Liezen (APA) - Am Sonntag stimmen 61.953 Stimmberechtigte des obersteirischen Bezirkes Liezen (gesamt: 80.082 Einwohner) über die Errichtung eines von der Landesregierung geplanten Leitspitals in der Gemeinde Stainach-Pürgg ab. Die SPÖ-ÖVP-Regierung plant, mit dem bis 2025 zu errichtenden Leitspital Kräfte und Kompetenz zu bündeln. FPÖ und KPÖ haben die Befragung initiiert, die Grünen befürworten die Befragung.

Das Leitspital soll bis 2025 um rund 250 Millionen Euro auf der grünen Wiese entstehen - auf einem Grundstück zwischen dem Bahnhof Stainach und der Ortsumfahrung, der B320 (Ennstalbundesstraße). Die im Bezirk befindlichen LKH Rottenmann und Bad Aussee sowie das von der Evangelischen Diakonie betriebene Diakonissenkrankenhaus Schladming sollen Facharzt- bzw. Gesundheitszentren werden. In Rottenmann und Schladming soll es eine Tagesklinik mit Fachärzten für Chirurgie, Gynäkologie, Orthopädie- und Traumatologie sowie Radiologie geben. In Bad Aussee kommt ein Gesundheitszentrum, die Ausrichtung wird noch festgelegt. Teile der Bevölkerung fürchten um ihre gesundheitliche Nahversorgung, das Land argumentiert u.a. mit der Konzentration ärztlicher Kompetenz an einem zentralen Ort des Bezirks.

Die Fragestellung bei der Befragung soll lauten: „Soll es im Bezirk Liezen anstelle der bestehenden drei Krankenhausstandorte in Bad Aussee, Rottenmann und Schladming nur mehr ein zentrales ‚Leitspital‘ geben?“ Der zuständige Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) hatte schon im Jänner erklärt, die Befragung eines Bezirks würde nichts am „Gesundheitsplan 2035“ ändern. Das Ergebnis einer Volksbefragung sei rechtlich nicht bindend und daher auch nicht für ihn. Die Bürgerinitiative Standorterhaltung Spitäler (BISS) hat rund 18.000 Unterschriften gegen die ihrer Ansicht nach geplante Schließung der bestehenden Spitäler gesammelt. Im Landtag und im Bezirk hatte das Vorhaben für heftige, zum Teil untergriffige Debatten gesorgt.

Abstimmungsberechtigt sind 61.953 Bewohner des Bezirkes Liezen, wie die Landeswahlbehörde auf Anfrage der APA mitteilte. Eine „Briefwahl“ ist nicht möglich, aber bis Donnerstag, 4. April, können auf den Gemeindeämtern des Bezirkes Stimmkarten beantragt werden. Damit kann am Sonntag in jedem beliebigen Wahllokal des Bezirks abgestimmt werden. Die 96 Wahllokale sind von 7.00 bis 13.00 Uhr geöffnet. Das Abstimmungsergebnis soll ab 16.00 Uhr vorliegen, die Bezirkswahlbehörde tagt um 15.00 Uhr, die Landeswahlbehörde um 17.00 Uhr.

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Seit Mitte Februar haben sich neben den deklarierten Gegnern des Vorhabens wie FPÖ, KPÖ und Grünen oder BISS auch die Befürworter in Stellung gebracht. Nacheinander gaben führende Ärzte der drei Spitäler, die Pflegedirektoren der Krankenhäuser, 21 von 29 Bürgermeistern des Bezirks und der ÖTC-Christophorus Flugrettungsverein ein Bekenntnis zum zentralen Standort Stainach-Pürgg ab. Tenor der Befürworter: Man habe Verständnis für die Bedenken der Bevölkerung, aber zum Wohle der Patienten und angesichts der Spezialisierungen in der Medizin müsse man auf ausreichende Fallzahlen bauen, die es nur in Spitälern mit einem größeren Einzugsgebiet gebe. Mehrere kleine Spitäler seien nur schwer mit entsprechendem Personal zu besetzen.

Auch die steirische Patientenombudsfrau, Renate Skledar, meinte: „Am neuen Leitspital in Liezen führt kein Weg vorbei. Wer etwas anderes behauptet, weiß es nicht besser oder handelt aus anderen Motiven.“ Der Geschäftsführer des Flugrettungsvereins, der Pilot Reinhard Kraxner, sagte, dass der in Niederöblarn nahe Stainach stationierte C14 des ÖAMTC rund 95 Prozent der lebensbedrohlich erkrankten oder verletzten Patienten aus dem Bezirk Liezen in die Schwerpunktkrankenhäuser Bruck/Mur, Knittelfeld, Graz, Salzburg, Wels, Linz oder Schwarzach/Pongau fliege. Das Leitspital im Zentrum des Bezirks werde helfen, mehr Patienten im Bezirk versorgen zu können.




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