Letztes Update am Mi, 03.04.2019 12:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Marathon: Multifunktionär Weidlinger hofft auf Topzeiten in Wien



Wien (APA) - Günther Weidlinger ist vor den Marathons in Wien und Linz hin- und hergerissen. Als ÖLV-Laufteamleiter erhofft er sich von seinen am Sonntag geschlossen in Wien antretenden Topherren natürlich Bestzeiten. Besonders im Hinblick auf die Olympiaqualifikation bedauert er aber das Fehlen der heimischen Elite eine Woche später in Linz. Dort fungiert der frühere Spitzenläufer als Mitorganisator.

„Ich muss ganz ehrlich sagen, ich war überrascht, dass sich alle entschieden haben, in Wien zu starten. Ich hätte den einen oder anderen schon gerne bei den Staatsmeisterschaften in Linz gehabt, das ist ganz klar“, betonte Weidlinger. Dass Lemawork Ketema, Valentin Pfeil, Peter Herzog und Co. dem Ruf von Wien-Marathon-Chef Wolfgang Konrad gefolgt sind, sei aber auch verständlich. „Er ist ein super Organisator. Er hat es geschafft, alle unter einen Hut zu bringen. Ich finde es gut, wenn man sich zusammentut. Das ist positiv, aber ich habe schon immer noch die Angst, dass irgendwo der eine oder andere Punkt abgeht“, meinte der ÖLV-Rekordhalter mit Blick auf das neue Qualifikationssystem für nur noch 80 Olympia-Startplätze.

Neben dem verschärften Limit von 2:11:30 Stunden gibt es über ein Punktesystem eine zweite Möglichkeit zur Teilnahme an Tokio 2020. Der in Linz diesmal leicht zu habende Staatsmeisterschaftstitel bringe dafür 45 Punkte, die im internationalen Spitzenfeld in Wien ungleich schwerer zu holen seien, gab Weidlinger zu bedenken. „Ich sehe es nicht als schlecht für Linz. Ich sehe es aber eher kritisch aus Sicht der Quali-Mühle für Olympia, da die Punkte abgehen werden. Das tut mir weh.“

Er wolle sich als ÖLV-Verantwortlicher aber nicht in die Planungen der Läufer einmischen. Das habe er in seiner aktiven Zeit unter der Trainingsanleitung seines Vaters auch nie gewollt. „Es gibt funktionierende Zellen mit vielen Athleten, die miteinander trainieren, wie bei Hubert Millonig, der Gruppe um Andreas Vojta und andere. Da will ich als Nationaltrainer nicht eingreifen. Ich bin da, wenn es Probleme gibt, und für Fragen, Anregungen und Beschwerden. Ich bin nicht der, der sagt, ihr macht das falsch. Ich möchte unterstützend da sein.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Konrad hatte Ende 2018 auf die sich legenden EM-Bronze-Euphorie um die rot-weiß-roten Asse mit der Gründung des VCM Team Austria reagiert. „Wir hatten die Situation, mit der zugegebenermaßen niemand gerechnet hat, dass sie bei der EM in Berlin eine Medaille gewinnen. Was ist nachher passiert? Es ist nichts passiert, ich will den ÖLV nicht kritisieren, aber es hat niemand mehr darüber geredet. Wir haben gesagt, gemeinsam seid ihr alle stärker, tretet doch gemeinsam auf. Das hat jeder verstanden. Nicht darüber zu reden, nichts damit zu machen, wäre eine Sünde gewesen“, betonte Konrad. Ob sich das Engagement auszahlt, werde sich weisen. „Das sind gute Typen, was sportlich herauskommt, werden wir am 7. April, Monate später oder in einem Jahr sehen.“

Über gute Wien-Auftritte der Team-EM-Dritten Ketema, Herzog und Christian Steinhammer sowie von Pfeil würde sich freilich auch Weidlinger freuen. „Ich hoffe natürlich, dass wir schnelle Zeiten sehen. Jetzt geht es darum, dass sie das, was sie in Berlin gezeigt haben, was grandios war, festigen und mit schnellen Zeiten den Grundstein für die Olympia-Qualifikation legen“, sagte Weidlinger.

Das Olympialimit von 2:11:30 sei aber selbst für Ketema (Bestzeit: 2:13:22) eine harte Nuss. „Ich wünsche es mir, dass sich das ausgeht. Momentan ist er der Erste, dem ich es zutraue.“ Weidlinger hat aber auch gewisse Bedenken, dass der gebürtige Äthiopier erneut zu viel Risiko nehmen könnte. „Wenn man ihn kennt, weiß man, dass er ein Risikoläufer ist und er den Drang hat, vorne mitzulaufen. Ich hoffe, dass es aufgeht.“

Grundsätzlich hätten Ketema, Herzog (Bestzeit: 2:15:29) und der im Vorjahr von Verletzungen gebremste Pfeil (2:14:50) aber das Potenzial für das Olympia-Limit. „Ich traue es ihnen zu. Ich würde mich freuen, wenn jemand so schnell läuft.“ Das gelte auch für den von ihm seit 2009 gehaltenen ÖLV-Rekord von 2:10:47. Sollte es in Wien nicht mit neuen Bestzeiten klappen, könnten Ketema und Co. bei einem Herbstmarathon und nächstes Frühjahr für Olympia aber noch eines drauflegen, so Weidlinger.




Kommentieren