Letztes Update am Mi, 03.04.2019 13:40

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Salzburg will Zahl der Langstrecken-Tiertransporte reduzieren



Salzburg (APA) - In der neu entflammten Debatte um Tiertransporte will das Land Salzburg die Zahl der Fuhren von Kälbern über lange Strecken reduzieren. Agrarlandesrat Josef Schwaiger (ÖVP) hat dazu am Mittwoch einen Maßnahmenplan vorgestellt. Für eine effektive Umsetzung müssten freilich Bund und EU mitspielen - und die Konsumenten mehr heimisches Kalbfleisch essen, statt auf billige Importware zu setzen.

In einem ersten Schritt dürfen ab sofort die Amtstierärzte in der Sammelstelle Bergheim (Flachgau), dem größten Kälberumschlagplatz in Österreich, Transporte nur mehr abfertigen, wenn der endgültige „bäuerliche“ Bestimmungsort bekannt ist. Die Amtstierärzte sind damit für den gesamten Transport zuständig, nicht nur bis zum nächsten Umschlagplatz. Diese Maßnahme gilt allerdings einzig für Fuhren über die Sammelstelle in Bozen (Südtirol), wohin 2018 nur rund fünf Prozent der Kälber gebracht wurden.

Insgesamt haben Bergheim im Vorjahr 30.000 Kälber in Langtransporten in andere EU-Länder verlassen, vorwiegend nach Norditalien, Nordspanien und Polen. Drei bis vier Mal die Woche verlässt ein Lkw die Flachgauer Gemeinde in eines dieser Länder. Zuletzt war Kritik laut geworden, dass bei der Bewilligung der Fuhren offenbar nicht nachgefragt wurde, wie und womit die Kälber unterwegs versorgt werden sollen.

Agrarlandesrat Schwaiger will in Zukunft auch mehr Kälber in Österreich unterbringen, etwa indem die Landwirtschaftskammer Salzburger Betrieben die Milchmast schmackhaft macht. Und er will die Nachfrage nach österreichischem Kalbfleisch erhöhen, etwa über Kooperationen mit der Gastronomie und dem Großhandel oder über die Einführung klarerer Herkunftsbezeichnungen wie „Salzburger Kalbfleisch“, um den Konsumenten die Orientierung zu erleichtern.

Die Forderung nach mehr Kontrollen von internationalen Tiertransporten durch Salzburg sei unter den derzeitigen Rahmenbedingungen übrigens nicht sinnvoll, sagte am Dienstag Manfred Pledl, einer von zwei Tiertransportinspektoren im Bundesland. Weil man nicht wisse, wann die Lkw einreisen, würden er und sein Kollege auf der Autobahn oft ganze Nächte vergeblich auf Transporte warten.

Das Land forderte darum heute, dass die Behörden Zugriff auf die Live-GPS-Daten der Fuhren bekommen und die Transportrouten im Vorhinein verpflichtend fixiert werden. Außerdem wünscht man sich eine Datenbank, in der die tatsächlichen Fahrstrecken samt Pausen gesammelt werden, um sie im Nachhinein kontrollieren zu können. Zudem möchte Schwaiger das Mindestalter von Kälbern für einen Transport von derzeit zwei auf vier Wochen verdoppeln - allesamt Maßnahmen, die nur auf Bundes- und EU-Ebene umsetzbar sind.

Grundsätzlich relativierte Tiertransportinspektor Pledl am Mittwoch die Kritik an der hohen Zahl illegaler Tiertransporte. „Der überwiegende Teil der Tiere kommt in einem sehr fitten Zustand an.“ Pledl bezifferte die Verendungsrate heute mit 0,016 Prozent, „was auch mit Vorerkrankungen der Kälber zu tun haben kann.“ 2018 hätten er und sein Kollege in Salzburg 104 Kontrollen vorgenommen - in keinem einzigen Fall sei dabei eine Abladung von Tieren notwendig gewesen, weil sich diese in einem schlechten Zustand befunden hätten. Tiertransporte in Drittländer wie die Türkei oder nach Nordafrika gibt es von Salzburg aus übrigens nicht.




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