Letztes Update am Mi, 03.04.2019 14:10

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ausstellung zu 1919 entwendeten Kunstschätzen auf Burg Forchtenstein



Forchtenstein (APA) - Im Zuge der Verstaatlichungs-Welle der nur kurz währenden Herrschaft der Räterepublik 1919 in Ungarn kam es zur Wegnahme Tausender in privatem Besitz befindlicher Kunstgegenstände. An die damaligen Geschehnisse erinnert eine am Mittwoch eröffnete Ausstellung auf Burg Forchtenstein, wo im April 1919 280 wertvolle Stücke aus dem Kunstschatz der Familie Esterhazy weggebracht wurden.

Unter dem Titel „300 Jahre gesammelt - in 3 Tagen entwendet“ soll die Sonderausstellung vor allem die Ereignisse des 1. April 1919 veranschaulichen: Damals erschienen Mitglieder des Direktoriums der Räterepublik aus Sopron und dem Komitat Sopron in der Burg Forchtenstein, um die dort seit Jahrhunderten in einer Einheit bewahrten Kunstschätze zu beschlagnahmen - zu „sozialisieren“, wie es damals in der offiziellen Diktion hieß.

Die Kunstsammlung von unschätzbarem Wert, die überwiegend aus Gegenständen aus Gold, mit Edelsteinen verzierten Schmuckstücken und Textilien besteht, kehrte bis heute nicht in die Burg zurück. Die nach Budapest gebrachten Teile der als Forchtensteiner Schatz bezeichneten Sammlung werden heute in Ungarn an verschiedenen Orten aufbewahrt. Ihre Präsentation vor der breiten Öffentlichkeit und ihre Erforschbarkeit durch Wissenschafter sei nicht oder nur in sehr beschränktem Maße gewährleistet, hieß es von der Esterhazy Privatstiftung.

Die Ausstellung illustriert die Epoche der Räterepublik anhand von Fotos und Infografiken. Auch zahlreiche bedeutende und bekannte Objekte der Sammlung sind zu sehen. Die verschleppten Kunstobjekte werden in der Schau in digitaler Form präsentiert.

„Die Schatzkammer der Burg Forchtenstein wurde zurecht Kunst- und Wunderkammer genannt. Es war ja das in den vergangenen Jahrhunderten gesammelte und aufbewahrte, einzigartige Ensemble von Kunstschätzen der historischen Familie Esterhazy hier verwahrt“, stellte Stefan Ottrubay, Direktionsrat der Esterhazy Stiftungen, anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung fest.

Genau vor hundert Jahren sei ein bedeutender Teil der Kunstschätze aufgrund der Entscheidung der Anführer der Ungarischen Räterepublik unter militärischem Zwang enteignet und mit einer Eskorte nach Budapest gebracht worden. Dies sei geschehen, „ohne dem Willen des damaligen Eigentümers, Paul von Esterhazy IV, jegliche Achtung zu schenken“.

„Seither signalisieren die auf die Objekte der Sammlung zugeschnittenen, maßgeschneiderten, aber unterdessen leer gewordenen Behälter und Lederetuis der Gegenstände das Fehlen der verschleppten Kunstgegenstände und demonstrieren die Zerrissenheit der Kunstsammlung“, so Ottrubay. Dass die Teile einer Kunstsammlung von Magnaten eine so geschlossene Einheit bildeten und diese einheitliche Sammlung Jahrhunderte lang erhalten bliebe, sei „außergewöhnlich“, erläuterte der Kunst- und Kulturhistoriker Hannes Etzlstorfer.

Neben ihrer Größenordnung und den außerordentlich wertvollen Einzelstücken sei es eben diese Einheit, die diese Sammlung so bedeutungsvoll mache. Eben deshalb zeige sich ein besonderes Interesse an der Präsentation dieses Ensembles von Kunstgegenständen seitens renommierter internationaler Ausstellungsstätten von New York bis Moskau und von Dresden bis London.

Die Esterhazy Privatstiftung ist bestrebt, die rechtliche Einheit der einzelnen Teile der Sammlung wiederherzustellen, wobei man aber den geschützten Status der Kunstobjekte in Ungarn respektiere. Die Bereinigung des rechtlichen Status des Kunstobjekte-Ensembles würde in hohem Maße dazu beitragen, dass die Sammlung dem breiten Publikum und der wissenschaftlichen Forschung unter würdigen Verhältnissen und zur Gänze wieder zugänglich wird, wird seitens der Stiftung argumentiert. Die Ausstellung auf Burg Forchtenstein kann bis 31. Oktober besichtigt werden.

(S E R V I C E : Sonderausstellung „300 Jahre gesammelt - In 3 Tagen entwendet“, bis 31. Oktober 2019 auf Burg Forchtenstein; Informationen zur Burg Forchtenstein im Internet: http://go.apa.at/rnWleus4)




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