Letztes Update am Mi, 03.04.2019 15:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ahmed Gaid Salah - Mächtiger Armeechef und Ex-Bouteflika-Vertrauter



Algier (APA/AFP) - Der algerische Armeechef Ahmed Gaid Salah war lange Zeit ein loyaler Gefolgsmann von Präsident Abdelaziz Bouteflika. Der Staatschef hatte ihn nach seiner ersten Wiederwahl 2004 zum Generalstabschef ernannt. Damals sprachen sich Teile der Armeeführung gegen eine zweite Amtszeit Bouteflikas aus, was sie schließlich den Job kostete.

Gaid Salah hingegen stieg zu einem der einflussreichsten Männer Algeriens auf und stärkte dem Präsidenten den Rücken - bis er den greisen Bouteflika am Dienstag schließlich aus dem Amt drängte.

Zu Beginn der Protestwelle im Februar gegen eine erneute Kandidatur des Langzeitpräsidenten für eine fünfte Amtszeit hatte sich der General noch hinter Bouteflika gestellt. Angesichts der anhaltenden Massenproteste schwand diese Unterstützung jedoch zusehends, der Armeechef verkündete sogar, dass das Militär für „dieselben Werte und Prinzipien“ wie die Bevölkerung einstehe. Am Dienstag verlangte Gaid Salah dann, „unverzüglich“ ein Amtsenthebungsverfahren gegen Bouteflika einzuleiten - kurz darauf gab der Präsident seinen sofortigen Rücktritt bekannt.

Gaid Salah wurde 1940 in der 300 Kilometer südöstlich von Algier gelegenen Region Batna geboren. Mit 17 trat er der Nationalen Befreiungsarmee bei, die gegen die französischen Kolonialherren kämpfte. Nach der Unabhängigkeit seines Heimatlandes im Jahr 1962 schloss er sich den algerischen Streitkräften an. Er ließ sich an einer sowjetischen Militärakademie ausbilden und machte Karriere in der Armee. Mitten im algerischen Bürgerkrieg wurde er 1994 zum Stabschef der Landstreitkräfte ernannt.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

2004 sollte Gaid Salah eigentlich in den Ruhestand gehen. Da sich der damalige Generalstabschef Mohamed Lamari aber mit Präsident Bouteflika überworfen hatte, trat er dessen Nachfolge an. Gaid Salah erhielt freie Hand bei der Modernisierung der Armee, im Gegenzug diente er Bouteflika in den kommenden Jahren als treuer Verbündeter.

Nach seiner Rückkehr aus Paris im Juli 2013, wo sich Bouteflika 80 Tage lang nach einem Schlaganfall hatte behandeln lassen, stattete der Präsident seinen Armeechef mit weiteren Befugnissen aus und ernannte ihn zusätzlich zum Vize-Verteidigungsminister. Beobachter gehen davon aus, dass sich der gesundheitlich angeschlagene Staatschef so die Unterstützung Gaid Salahs für eine erneute Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2014 sicherte.

Auch in der Debatte um eine fünfte Amtszeit konnte sich Bouteflika zunächst auf die Rückendeckung des Generalstabschefs verlassen. Im Zuge der wochenlangen Straßenproteste deutete sich aber allmählich ein Kurswechsel Gaid Salahs an. Ende März stellte er sich schließlich offen gegen Bouteflika und sprach sich dafür aus, den 82-jährigen Präsidenten für amtsunfähig erklären zu lassen.

Der im Rollstuhl sitzende Staatschef, der seit Jahren kaum noch öffentlich aufgetreten ist, verkündete daraufhin, er werde vor dem Ende seiner regulären Amtszeit am 28. April zurücktreten. Doch Gaid Salah erhöhte am Dienstag mit der Forderung nach einem sofortigen Amtsenthebungsverfahren noch einmal den Druck.

Dabei machte Gaid Salah in einer Erklärung deutlich, dass die vorherige Rücktrittserklärung vom Montag nach Ansicht der Armee nicht von Bouteflika selbst stamme, sondern von „nicht verfassungsgemäßen und nicht berechtigten“ Gruppen. Er kritisierte die „Sturheit“ und „Hinterhältigkeit“ bestimmter Leute, die nur ihre persönlichen Interessen im Blick hätten und die Krise lediglich verlängerten - ein Angriff, der sich offenbar gegen das Umfeld von Bouteflika richtete, in dem Kritiker schon lange nur noch eine Marionette sehen. Und der Armeechef sprach auch eine klare Warnung in Richtung Präsidentenpalast aus: Jegliche Entscheidung, die nicht verfassungskonform sei, werde als „null und nichtig“ angesehen.




Kommentieren