Letztes Update am Mi, 03.04.2019 15:53

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Große Yoko-Ono-Ausstellung in Leipzig eröffnet



Leipzig (APA/dpa) - Unter dem Titel „Yoko Ono - Peace is Power“ zeigt das Museum der bildenden Künste in Leipzig bis 7. Juli eine große Werkschau zu der japanisch-amerikanischen Künstlerin. Zu sehen sind etwa 70 Arbeiten und Werkreihen der Konzeptkünstlerin. Yoko Ono (86) ist die Witwe des Beatles-Sängers John Lennon, der 1980 in New York erschossen wurde.

Das bestimmende Thema in ihrem Werk sei das Kräfteverhältnis zwischen Krieg und Frieden, hieß es in einer Mitteilung des Museums. „Yoko Ono ist eine der einflussreichsten und gleichzeitig umstrittensten Künstlerinnen unserer Zeit. Sie gilt als Pionierin von künstlerischer Performance und Konzeptkunst sowie als eine der herausragenden Wegbereiterinnen der US-amerikanischen Fluxus-Bewegung.“

Es sei die umfangreichste Ausstellung von Werken Onos in Deutschland seit der Retrospektive in der Schirn Kunsthalle Frankfurt vor fünf Jahren, sagte der Direktor des Museums der bildenden Künste, Alfred Weidinger, am Mittwoch in Leipzig. „Wir haben versucht, John Lennon so weit wie möglich aus der Ausstellung rauszuhalten“, so der ehemalige Vizedirektor des Wiener Belvedere. Der Fokus liege ganz auf der japanisch-amerikanischen Künstlerin.

Für einige Arbeiten wurden spezielle Leipziger Varianten geschaffen, etwa für „Morning Beams“. In den großzügigen Räumen und Terrassen des Museums der bildenden Künste wirken Seile, die wie Sonnenstrahlen von der Decke gespannt sind, besonders eindrucksvoll.

Perspektivwechsel durch das Erlaufen der Installationen sind auch beim zentralen Werk „Ex it“ gewünscht. Hundert schlichte Särge stehen auf 400 Quadratmetern. Aus ihnen heraus wachsen blühende Zitronen- und Orangenbäumchen, die betörend duften. Vogelgezwitscher betont die Schönheit der Natur im Kontrast zur Grausamkeit von Schlachtfeldern. Das Kräfteverhältnis zwischen Krieg und Frieden als zentrales Thema der Ausstellung wird hier deutlich.

Die Besucher tauchen in die philosophisch-poetischen Werke Onos ein, indem sie sich selbst daran beteiligen. Beim „Mend Piece“ dürfen sie etwa Stücke zerbrochenen Porzellans zusammenkleben. Für „Arising“ wurden Frauen in Leipzig aufgefordert, ihre Erfahrungen mit Gewalt zu schildern. Daraus ist eine bedrückende Videoinstallation entstanden. Dass sich in den ersten drei Tagen des Aufrufes 47 Frauen gemeldet haben, zeuge von der Aktualität von Onos Schaffen, sagte Weidinger.

„Yoko Ono ist eine der einflussreichsten Künstlerin unserer Zeit, und das seit den 1960er Jahren“, ordnete Kunsthistorikerin Ingrid Pfeiffer ein, die in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt (Main) anlässlich des 80. Geburtstags der Künstlerin eine Retrospektive kuratierte. Um die Installationen und Aktionen Onos zu verstehen, sei ein Verständnis für ihren Werdegang unerlässlich. Insbesondere mit den Themen Feminismus und Umwelt beschäftige sich Ono in ihren Werken intensiv, sagte Pfeiffer.

Weidinger fasziniert Ono besonders als Frauenrechtlerin. Da Leipzig die „Wiege des deutschen Frauenrechts“ sei, sei eine Ausstellung Onos ein „ganz normaler Folgeschluss“, sagte er. Er hofft auf bundesweites Interesse für die Kunstszene in Leipzig. „Zwischen 50.000 und 100.000 Besucher wären fantastisch“, sagte er. Im Vorjahr zählte das Museum etwa 120 000 Besucher.




Kommentieren