Letztes Update am Do, 04.04.2019 10:16

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gelöst und geschmeidig: Soap&Skins brillanter Tourstart in Wien



Wien (APA) - Aus dem Schatten ins Licht: Soap&Skin alias Anja Plaschg hat mit ihrem aktuellen Album „From Gas to Solid / you are my friend“, das sechs Jahre nach dem umjubelten Vorgänger „Narrow“ erschienen ist, nicht nur musikalisch einen Wandel vollzogen. Beim Tourauftakt im Wiener Konzerthaus zeigte sie sich am Mittwochabend ungewohnt gelöst, ab und zu sprach sie sogar und winkte beim Einzug ins Publikum.

„Danke, dass ihr alle da seid“, adressierte die Musikerin lächelnd ihre Fans im ausverkauften Großen Saal des Konzerthauses, nachdem sie mit einem sowohl tontechnisch als auch orchestral etwas holprigen „This Day“ einen sympathisch vernudelten Auftakt hingelegt hatte. Doch was in den folgenden fast zwei Stunden nachgeschoben wurde, entschädigte vollends: Kraftvoll, extrovertiert und doch auch zart kamen die insgesamt fast 20 Songs daher, die zu einem Großteil dem im vergangenen Herbst erschienenen dritten Album entstammten.

Sowohl „Athom“ als auch „Creep“ intonierte die aus dem steirischen Gnas stammende Musikerin, die am morgigen Freitag ihren 29. Geburtstag feiert, nunmehr in perfekter Harmonie mit ihrem achtköpfigen Ensemble. Die mit zwei Bläsern, vier Streichern, einem Percussionisten und Palschgs Schwester Evelyn an der Flöte besetzte Truppe vermochte auch die schrägsten Töne des Albums bravourös live umzusetzen und zeigte in enger Zusammenarbeit mit der Sängerin, die dem Publikum immer wieder den Rücken zukehrte, um sich ihren Musikern zu widmen, seine enorme Bandbreite.

Immer wieder stand Soap&Skin vom Klavier auf, um an der Bühnenrampe zu singen, bei Songs wie „Surrounded“ oder dem 2013 veröffentlichten „Me and The Devil“ wagte sie sogar einige expressive Tanzbewegungen. Zu emotionalen Höhepunkten gerieten eine extensive Version von „Voyage, Voyage“ und „Vater“, das Plaschg für ihren verstorbenen Vater geschrieben hatte und das auf dem Album „Narrow“ vertreten war. Gänsehaut kam auch bei der Coverversion von Omar Souleymans „Mawal Jamar“ auf, die Soap & Skin „From Gas to Solid“ auch als eigene, weiße Vinyl-Single beigelegt hat.

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Nach einem eher enttäuschenden „Italy“, das in seiner Orchestrierung eine dem Original widerstrebende Erdenschwere erhielt, einem furiosen Ausflug an die Orgel auf dem Balkon („Falling“) und schließlich einem abgebrochenen Velvet Underground-Cover von „Pale Blue Eyes“ absolvierte Anja Plaschg schließlich auf Knien vom Publikum abgewandt das finale Cover von „What A Wonderful World“. Ein wundervoller Abend war es in jedem Fall. Soap&Skin hat sich vom schwer fassbaren, unnahbaren Wunderkind zu einer selbstbewussten, soliden Künstlerin mit starkem Ausdruck entwickelt. „From Gas to Solid“ eben.




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