Letztes Update am Do, 04.04.2019 14:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erstmals Negativzins für Firmeneinlagen, Wohnbau trieb Kreditzuwächse



Wien (APA) - Der Wohnbau war im Vorjahr laut Nationalbank Treiber für das Kreditwachstum sowohl bei Privatkunden als auch bei Unternehmen. Digitale Bankgeschäfte werden immer beliebter. Für Unternehmen gab es vereinzelt bei sehr hohen Einlagen Ende 2018 in Österreich erstmals negative Zinsen. Für private Haushalte sind negative Zinsen nicht möglich, betonte Nationalbank-Direktor Johannes Turner am Donnerstag.

Bei kurzfristigen Unternehmenseinlagen war der Zinssatz für das Neugeschäft im Dezember des Vorjahres mit 0,09 Prozent negativ. In anderen Ländern gibt es solche Negativzinsen für Firmeneinlagen schon länger, in Deutschland beispielsweise seit 2016. Es handle sich dabei um große Unternehmen, durchaus auch aus dem Ausland wie etwa Deutschland, so die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Sie seien nicht systematisch. Von den negativen Zinsen seien zum Teil dreistellige Millionen-Euro-Beträge pro Monat betroffen. Insgesamt liege das monatliche Einlagen-Neugeschäft bei 1 bis 3 Mrd. Euro. Die Zinsen für täglich fällige Einlagen von Unternehmen lagen bei durchschnittlich 0,02 Prozent.

Bei Spareinlagen für Private seien laut einem Urteil des Obersten Gerichtshofes (OGH) negative oder Nullzinsen nicht möglich, erinnerte Turner. Auch im gesamten Euroraum habe es keine Negativzinsen für Private gegeben. Die Zinsen für neue Einlagen von Privaten haben sich im Vorjahr kaum verändert und lagen im Dezember für Laufzeiten von bis zu einem Jahr mit 0,21 Prozent nahe dem historischen Tief von 0,19 Prozent.

Das Kreditvolumen von Nicht-Banken stieg um 5,3 Prozent auf rund 357 Mrd. Euro. Verantwortlich dafür war laut Turner vor allem die hohe Wohnbautätigkeit. Dabei wuchsen die Unternehmenskredite um 6,8 Prozent auf einen neuen Höchststand von 153 Mrd. Euro. Grundstücks- und Wohnungswesen bzw. die Baubranche waren für ein Wachstum des Kreditvolumen um 8 Prozent bzw. einen Nettozuwachs um 5,4 Mrd. Euro verantwortlich.

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Die privaten Wohnbaukredite stiegen um 4,8 Prozent. Mit einem aushaftenden Gesamtvolumen von rund 111 Mrd. Euro machten sie damit mehr als damit mehr als zwei Drittel des Privatkreditvolumens aus. Zum Vergleich: Im Euroraum waren es 76 Prozent. Von Seiten der Finanzmarktstabilität sieht die OeNB derzeit keine Risiken bei den Immobilien. Die Zinsen für neue Wohnbaukredite bei den Banken lagen im Dezember mit 1,82 Prozent im Euroraum-Durchschnitt und veränderten sich zum Jahr davor kaum. Zur Absicherung der niedrigen Zinsen werden Fixzinsen beliebter. Der Neugeschäfts-Anteil von Wohnbaukrediten mit Bindungsfristen mit mehr als fünf Jahren hat sich seit 2015 verzehnfacht lag im Vorjahr mit 42 Prozent fast gleichauf mit variablen Verzinsungen.

Die privaten Konsumkredite stiegen nur leicht um 0,5 Prozent. Das Wachstum fiel damit deutlich geringer aus als im Euroraum-Durchschnitt (plus 6,7 Prozent). Am oberen Rand lagen hier die Spanier (plus 14,7 Prozent) und Italiener (plus 9,1 Prozent). Die Zinsen für neue Konsumkredite waren in Österreich mit rund 5 Prozent um 32 Basispunkte höher als im Jahr davor. Turner sprach heute von einem gesunden Wachstum, es gebe in Österreich kein exorbitanten Verschuldungswerte.

Die Einlagen sind im Vorjahr trotz niedriger Zinsen weiter gestiegen, das klassische Sparbuch verliert aber weiter an Attraktivität. Insgesamt stiegen die Einlagen um 4,8 Prozent. Der Trend geht zu Online-Produkten und täglich fälligen Einlagen. Die Spareinlagen erreichten im Dezember 2018 mit rund 140 Mrd. Euro den geringsten Wert seit 2007. Die täglich fälligen Einlagen stiegen um 13 Prozent auf 159 Mrd. Euro - der Anteil an den Gesamteinlagen betrug 62 Prozent, vor zehn Jahren lag er erst bei einem Viertel. An Zinsen gab es für täglich fällige Einlagen 0,09 Prozent und damit etwas mehr als etwa in Deutschland (0,02 Prozent). Kontinuierlich gewachsen sind in den vergangene Jahren auch die Einlagen von institutionellen Anlegern wie Versicherungen, Pensionskassen oder Investmentfonds, hinter denen auch Gelder privater Haushalte stehen.

Abgewickelt werden die Bankgeschäfte in Österreich zunehmend digital. Der Trend gehe zu Online-Produkten, auch von klassischen Banken. Laut Umfrage nutzen 60 Prozent der Österreicher über 14 Jahre Online-Banking. Der Anteil der elektronische initiierten Überweisungen lag 2017 bei 86 Prozent, 2014 waren es 81 Prozent. Bargeld hat aber weiter einen hohen Stellenwert. Ende 2018 lagen die Bargeldbestände der Haushalte bei 24 Mrd. Euro, 2008 waren es 15 Mrd. Euro.

Erstmals seit 2008 positiv sind auch die Wertpapier-Nettoemissionen der Banken in Höhe von 9,2 Mrd. Euro. Die Bilanzsumme des österreichischen Bankensektors ging seit 2008 um rund 20 Prozent auf 845 Mrd. Euro zurück. Der Rückgang betraf laut Nationalbank vor allem das Zwischenbankgeschäft während das inländische Kundengeschäft zulegte. Der Relation von Bilanzsummen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von 400 auf 265 Prozent.

~ WEB http://www.oenb.at/ ~ APA335 2019-04-04/14:23




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