Letztes Update am Fr, 05.04.2019 05:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Für heimische Rübenbauern geht es um die Wurst



Wien (APA) - Die Stimmung unter den heimischen Rübenbauern war schon besser. Die großen Schäden, die der Rübenrüsselkäfer im Vorjahr angerichtet hat, stecken als Schrecken noch im Nacken. Die Fläche ist von 40.000 auf 32.000 Hektar zurückgenommen worden. „Die Stimmung ist nicht gut, da braucht man nichts schönzureden“, sagt der Geschäftsführer des Rübenbauernverbandes, Markus Schöberl, im Gespräch mit der APA.

Derzeit würden die Rübenbauern draufzahlen, so ihr Vertreter. „Viele sagen, es bleibt ja nichts mehr. Und wenn die Rübenrüsselkäfer wiederkommen, da und dort wurden heuer bereits wieder welche beobachtet, ist das für die Stimmung nicht förderlich. In Wahrheit geht es dann in Richtung Verzweiflung“, sagt Schöberl.

Die schlechte Stimmung ist nicht nur den Pflanzenschädlingen geschuldet, sondern auch dem anhaltenden Zuckerpreistief nach dem Ende der EU-Quotenregelung. In Deutschland etwa stehen Zuckerfabriken vor der Stilllegung. Südzucker, hierzulande maßgeblich am heimischen Zuckerkonzern Agrana beteiligt, mit dem die hiesigen Bauern Kontrakte haben, will sie zusperren.

Die Flächen seien aber nicht nur wegen des Schädlings und des Preistiefs reduziert worden, erklärt Schöberl. Wenn Bauern auf Bio umstellen, falle auch oft der Rübenanbau weg, weil dieser biologisch nur ganz besonders schwierig umsetzbar sei. Alleine deswegen gebe es heuer um rund 3.000 Hektar weniger Rübenbaufläche. Die Rechnung geht so: Im Durchschnitt sind 15 Prozent der Fruchtfolge Rüben und 23.000 Hektar an zuvor konventionellen Flächen wurden auf Bio umgestellt.

Zudem gebe es im Burgenland einen Rüben-Anbauflächenrückgang, weil dort keine Notfallzulassung für Neonicotinoide gewährt wurde, die Rübenbauern in Niederösterreich oder Oberösterreich nunmehr einsetzen dürfen. Die Neonics hätten ihren Nutzen, so Schöberl. Sie seien aber kein Allheilmittel gegen den Rübenrüsselkäfer. Dank dieser umstrittenen Mittel - Stichwort Bienensterben - könne man sich aber das oft mehrfache Spritzen von Kulturen ersparen, denn die Neonics würden gegen vielerlei Schädlinge wirken. „Durch die Notfallzulassungen wurde ein viel größerer Flächeneinbruch verhindert“, sagt der Fachmann.

Wie sich die Lage mit dem Rüsselkäfer entwickelt, könne man aktuell noch nicht einschätzen. Vor etwa einer Woche begann der Rübenanbau. Noch sind erst wenige Flächen aufgegangen. „Wir haben Rückmeldungen, dass der Käfer wieder unterwegs ist.“ Der Agrana-Konzern unterstütze heuer nicht nur mit einer Anbauprämie von 170 Euro je Hektar, „um die Rübenbauern etwas zu motivieren“, sondern auch mit Pheromonfallen für die Käfer. Kübel mit einem Lockstoff werden ebenerdig eingegraben, der Käfer fällt hinein, kommt nicht mehr heraus und wird dann vernichtet - geflämmt, gequetscht. Ähnliches wird auch mit Rillen im Acker versucht. „Die 170 Euro decken im Wesentlichen die Saatgutkosten. Versichert man sich zusätzlich bei der Hagelversicherung ist, man wirtschaftlich betrachtet eigentlich abgesichert“, erklärt der Bauernvertreter.

Das Branchenmagazin „Blick ins Land“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass es heuer im Gegensatz zum Vorjahr, nicht zu einer zweiten Anbaurunde kommen werde, sollte der Käfer zuschlagen. Der Aufwand sei zu hoch. Mit der aktuellen Fläche von 32.000 Hektar könnten die beiden Agrana-Zuckerwerke einigermaßen ausgelastet werden - kommt es zu einer normalen Ernte.




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