Letztes Update am Fr, 05.04.2019 14:35

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Merkel lässt Rückgabe von zweitem Nolde-Gemälde unbegründet



Berlin (APA/dpa) - Die Bundesregierung hat die Rückgabe eines zweiten Gemäldes des NS-belasteten Malers Emil Nolde (1867-1956) aus den Arbeitsräumen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht weiter begründet. „Es ist nicht die Sache der Bundeskanzlerin, hier historische Bewertungen vorzunehmen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag während der Bundespressekonferenz in Berlin.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz habe um die Rückgabe gebeten, sagte Seibert. Dabei ging es um das Gemälde „Brecher“ von 1936, das ab der kommenden Wochen in der Berliner Ausstellung „Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“ (12.4-15.9) gezeigt werden soll.

Zudem hing Noldes „Blumengarten (Thersens Haus)“ (1915) als Leihgabe der Stiftung bei Merkel. „Es gab die Bitte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Bundeskanzlerin ist der Bitte gerne nachgekommen und hat in dem Zusammenhang entschieden, dass sie auch das zweite, in ihrem Arbeitszimmer befindliche Bild an den Eigentümer zurückgibt“, sagte Seibert.

Eine Bewertung Noldes vermied Seibert. „Ich denke, dass ich als Regierungssprecher wirklich nicht der Richtige bin, um hier eine fundierte kunsthistorische oder auch historische Diskussion zu führen“, sagte Merkels Sprecher. Die neue Ausstellung in Berlin fuße auf neuen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen.

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Nach der Ausstellung sollen die Noldes nicht wieder ins Kanzleramt. „Die Bilder verbleiben beim Eigentümer, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz“, sagte Seibert. Merkel umgibt sich künftig mit den zwei Bildern „Haus unter Bäumen“ (1910) und „Häuser am Kanal“ (1912) des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976). „Das war ein Angebot der Stiftung Preußischer Kulturbesitz“, sagte Seibert. „Schmidt-Rottluff war ein von vielen Menschen sehr geliebter expressionistischer deutscher Maler.“ Darüber hinaus könne er keine weitere Bewertung geben.

Nolde wurde von den Nazis als „entarteter Künstler“ diffamiert. Viele Arbeiten waren beschlagnahmt. Gleichzeitig war der Maler NS-Parteimitglied, Antisemit, Rassist und überzeugter Nationalsozialist. Dies will die Ausstellung weiter ausleuchten.

Ein ganz anderes Bild bleibt wohl weiterhin im Kanzlerbüro, wie es am Freitag im Leopold Museum in Wien hieß: Am Rande der Presseführung zur Ausstellung „Oskar Kokoschka. Expressionist, Migrant, Europäer“ hieß es, man habe versucht, ein Kokoschka-Werk, für das der frühere deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer Modell gestanden hatte, auszuleihen. Das Bild hängt hinter dem Schreibtisch von Kanzlerin Angela Merkel. „Wir haben eine Leihe angefragt, aber es gab einen amüsanten Absagebrief. Wegen Eigenbedarf“, erzählte die Kuratorin.




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