Letztes Update am Sa, 06.04.2019 18:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Caritas Italien legt erste Bilanz zu humanitären Korridoren vor



Mailand (APA) - Die italienische Caritas hat das Projekt humanitärer Korridore als „Alternative zur derzeitigen Tragödie auf dem Meer“ gelobt. Über die 2015 eingerichteten Rettungsmaßnahmen für besonders gefährdete Kriegsflüchtlinge seien seit Anfang 2016 rund 2.000 Menschen sicher nach Italien gelangt und dort gut integriert worden, heißt es in einem Caritas-Bericht, der am Samstag in Mailand vorgestellt wurde.

In der ersten detaillierten Analyse dieser Projekte, die zwischen kirchlichen Hilfsorganisationen und Italiens Regierung vereinbart wurden, untersuchte die Caritas laut Kathpress vor allem jene Fälle, die seit Ende 2017 mittels eines Abkommens zwischen Bischofskonferenz und Regierung geregelt wurden. Von insgesamt 498 Personen, die aus Flüchtlingslagern in Äthiopien, Jordanien und der Türkei nach Italien geholt wurden, hätten nur 15 das dazugehörige Integrationsprogramm vorzeitig verlassen.

97 Prozent der Ankömmlinge erhielten demnach einen offiziellen Flüchtlingsstatus, die übrigen einen subsidiären Schutzstatus. Sämtliche Minderjährige im schulpflichtigen Alter wurden der Studie zufolge eingeschult, ein Drittel der Erwachsenen befindet sich in Berufsausbildungsmaßnahmen, 24 Flüchtlinge haben eine Arbeit gefunden.

Seit Anfang 2016 sind nach Angaben der Gemeinschaft Sant‘Egidio insgesamt 2.500 Menschen über humanitäre Korridore nach Europa gekommen: rund 2.000 nach Italien und 500 etwa nach Belgien und Frankreich. Beteiligt sind neben Sant‘Egidio auch evangelische Kirchen und andere katholische Organisationen.

Die in Mailand vorgestellte Studie „Oltre il mare“ untersucht auch jüngste Umsiedlungen aus libyschen Auffanglagern. Grundlage ist eine Ende 2017 zwischen Italien und Libyen getroffene Vereinbarung zur Reduzierung von Migrantenzahlen. Demnach wurden seit März dieses Jahres von 57.000 Flüchtlingen, die bei UNHCR-Stellen in Libyen registriert wurden, 3.300 Menschen weitervermittelt: rund 2.600 in den südwestlichen Nachbarstaat Niger, von wo aus sie in ihre Herkunftsländer weitervermittelt werden sollen, 415 nach Italien und rund 270 nach Rumänien.




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