Letztes Update am Mo, 08.04.2019 11:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hygieniker lenken Blick auf Infektionskrankheit Melioidose



Graz/Lagos (APA) - Melioidose ist eine in Europa weitgehend unbekannte Infektionskrankheit. Allerdings tötet sie rund die Hälfte jener Menschen, die daran erkranken. Grazer Experten halten die v.a. in den Tropen und Subtropen und zunehmend in Afrika auftretende Krankheit als zu wenig beachtet. Sie haben Tests zum Nachweis der Antikörper entwickelt und einen Workshop in Nigeria organisiert, so die Med-Uni Graz.

Auch mehr als 100 Jahre nach der Entdeckung des verursachenden Bakteriums Burkholderia pseudomallei ist die weltweite Verbreitung dieses Erregers und der dazugehörenden Erkrankung immer noch unklar: „Aktuelle Modellrechnungen sagen voraus, dass weltweit jährlich 165.000 Menschen an Melioidose erkranken, von denen 89.000 versterben“, hielt Ivo Steinmetz vom Hygiene-Institut am Diagnostik- und Forschungszentrum für Molekulare BioMedizin an der Med-Uni Graz fest. Die Zahl der Todesfälle läge damit in etwa in der gleichen Größenordnung wie bei Masern.

In Europa ist es jedoch eine selten importierte Erkrankung, auch in Afrika wurde sie bisher nur selten diagnostiziert. Sie liegt deswegen auch dort nahezu unter der Schwelle der Wahrnehmung - auch wenn sie auf jenem Kontinent auf dem Vormarsch sein dürfte. Aufgrund der sich verändernden Umweltbedingungen wird sie in mehr als 20 afrikanischen Ländern prognostiziert, schilderte Steinmetz gegenüber der APA. Wenn jedoch Mediziner nicht entsprechend geschult sind und die nötigen diagnostischen Methoden nicht etabliert sind, können Situationen mit einer erheblichem Anzahl von Betroffenen und signifikanten wirtschaftlichen Einbußen unerkannt bleiben.

Der vor allem an Schmutzwasser und Erde gebundene Erreger wird über Hautläsionen, wohl aber auch durch Inhalation oder über kontaminiertes Trinkwasser aufgenommen. Das Bakterium hat ein besonderes Resistenzspektrum und muss daher komplex antibiotisch und lange behandelt werden. Das Team um Steinmetz hat in den vergangenen Jahren an der Med-Uni Graz u.a. neue Tests für den Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger entwickelt. Die extrem variable Symptomatik reiche von Fieber, Hautinfektionen und Abszessen bis zur Lungenentzündung und schwerer Sepsis. Eine Diagnostik im Labor sei unverzichtbar, wie Steinmetz betonte.

In Lagos (Nigeria) hat Steinmetz gemeinsam mit Kollegen des Amsterdam Medical Centre, des Lagos University Teaching Hospital und der Weltgesundheitsorganisation WHO einen ersten „African Melioidosis Workshop“ organisiert, zu dem auch Mediziner aus Äthiopien und dem Kongo eingeladen waren. „Die Ärzte dort arbeiten ja vor allem nach westlichen Lehrbüchern, in denen die Erkrankung keine Rolle spielt“, begründete Steinmetz die Initiative.

Nun sollen gemeinsame Forschungsprojekte folgen: So sollen gezielt Seren von Blutspendern aus unterschiedlichen Regionen in Nigeria und weiteren afrikanischen Regionen getestet werden. „Wir versuchen, auf diesem Wege erste Hinweise auf mögliche ‚Hotspots‘ für Infektionen zu erhalten“, schilderte der Professor für Hygiene und Mikrobiologie. Durch Entwicklung neuer molekularer Methoden wollen die Forscher die Verbreitung der Erregers in der Umwelt präziser erfassen und Umweltfaktoren ausmachen, die die Anwesenheit von Burkholderia pseudomallei beeinflussen. Daneben sei das Bakterium für das Grazer Team auch ein wichtiger Modellorganismus für Grundlagenforschung im Bereich der Infektionsimmunologie und Wirt-Pathogen-Interaktion.




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