Letztes Update am Mo, 08.04.2019 13:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Industriekonjunktur lief 2018 auf vollen Touren - Fachkräfte fehlen



Wien (APA) - Eine positive Bilanz für das vergangene Jahr 2018 und einen vorsichtigen Ausblick für 2019 zieht die österreichische Industrie: „Die Hochkonjunktur ist vorbei, es wird 2019 eine Abschwächung geben - aber wir sind weit entfernt von einer Rezession“, sagte der Obmann der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Sigi Menz, am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Neben protektionistischen Tendenzen sei vor allem der Fachkräftemangel ein Problem für Österreichs Industriebetriebe. Dem sollte die Politik durch mehr Investitionen in Bildung und Forschung, vor allem im Technik-Bereich, sowie mit einer Zuwanderungsstrategie wie in Deutschland gegensteuern, fordert die Industrie: „Wir brauchen rasche Lösungen für das Thema Facharbeiter“, appelliert Menz. Laut WKÖ-Angaben fehlen der Industrie 60.000 Fachkräfte, wodurch Stellen nicht nachbesetzt und Aufträge nicht angenommen werden können. Gleichzeitig würden aber Bewerber für Technik-Ausbildungen trotz bestandener Aufnahmeprüfungen abgewiesen, weil nicht genug Kapazitäten in den Ausbildungsstätten wie Fachhochschulen und HTLs vorhanden seien. Bei der Zuwanderung müsse man auf Fachkräfte auch außerhalb der EU in Europa setzen sowie Fachkräfte auch in Asien, etwa in Indien, und in Afrika ansprechen.

Das Jahr 2018 war - so wie bereits 2017 - ein gutes Jahr für Österreichs Industriebetriebe: Die Industrieproduktion legte auf 175,8 Milliarden Euro zu. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Industrieproduktion 2018 um über 15 Mrd. Euro bzw. nominell um 9,5 Prozent - real (inflationsbereinigt) betrug das Wachstum 7,2 Prozent. Besonders gut entwickelten sich die Mineralölindustrie und die Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen sowie die Fahrzeugindustrie. Weniger gut lief es in der Nahrungs- und Genussmittelindustrie sowie in der Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie: Diese Branchen verfehlten 2018 ihr vorjähriges Produktionsniveau.

Österreichs Industrie hat damit die im Zeitraum zwischen 2012 und 2016 stattgefundene Schrumpfungs- und Stagnationsphase mit den Wachstumsjahren 2017 und 2018 überwunden. Das zeigt sich auch bei der Entwicklung der Beschäftigten: Im Jahr 2018 konnte der Mitarbeiterstand des Jahres 2008, also vor der Wirtschafts- und Finanzkrise, wieder erreicht werden. Insgesamt waren im Vorjahr 453.140 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Industrie beschäftigt, ein Plus von 2,8 Prozent zum Jahr davor. Im Jahr 2008 waren es 451.000, im Jahr 2010 nur mehr 418.000 Industriebeschäftigte.

Aufgegliedert sind die Beschäftigten in Eigenpersonal und Fremdpersonal, also Leiharbeiter: Das Eigenpersonal erhöhte sich 2018 um 2,5 Prozent auf insgesamt 423.357 Arbeitnehmer. Das in der österreichischen Industrie tätige Fremdpersonal stieg um 2,8 Prozent auf 29.783 Personen. Von den in der Industrie Tätigen war die Mehrzahl Arbeiter: Die Zahl der Industriearbeiter stieg um 1,8 Prozent auf 229.480, die Zahl der Industrieangestellten wuchs um 3,5 Prozent auf 180.080. Auch bei den Lehrlingen zeigte sich eine erfreuliche Entwicklung: 2018 bildeten 1.243 Ausbildungsbetriebe 15.754 Lehrlinge aus (+3,9 Prozent). Damit ist die österreichische Industrie der zweitgrößte Lehrlingsausbilder nach dem Gewerbe mit 45.744 und noch vor dem Handel mit 14.957 Lehrlingen. Die meisten Industrie-Lehrlinge gibt es in Oberösterreich, vor der Steiermark und Niederösterreich.

Die Auftragslage entwickelte sich im Vorjahr ebenfalls gut: Die Auftragseingänge der heimischen Industriebetriebe betrugen 2018 nach den vorläufigen Ergebnissen der Statistik Austria 108,1 Mrd. Euro, eine Steigerung um knapp 6 Mrd. Euro bzw. um nominell 5,8 Prozent über den Auftragseingängen des Jahres davor. Die Auftragseingänge erhöhten sich damit halb so kräftig wie im Vorjahr. Fast drei Viertel der Auftragseingänge kommen aus dem Ausland.

( 0440-19, 88 x114 mm)




Kommentieren