Letztes Update am Mo, 08.04.2019 17:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess nach Betrug bei FACC: Damaliges Kontrollsystem erörtert



Ried im Innkreis (APA) - In der Fortsetzung des Schadenersatz-Prozesses gegen einen früheren Vorstand nach einem Millionenbetrug beim börsenotierten Innviertler Flugzeugkomponentenhersteller FACC ist am Montag das damalige Kontrollsystem des Unternehmens erörtert worden. Auskunftsperson für das Landesgericht Ried war der Beklagte.

FACC, mehrheitlich in chinesischer Hand, war Ende 2015 Opfer eines Fake President Fraud (Geschäftsführer-Trickbetrugs) geworden. Die Täter hatten sich in E-Mails gegenüber der Buchhaltung als der Firmenchef ausgegeben und die Überweisung von 54 Mio. Euro auf ausländische Konten veranlasst. Nach dem Auffliegen des Betruges wurden die Finanzchefin und der Firmenchef gefeuert. Von letzterem verlangt das Unternehmen nun in einem Zivilprozess 10 Mio. Euro Schadenersatz. Neben anderen Beschäftigten des Unternehmens wird ihm vorgeworfen, kein ausreichendes Kontrollsystem geschaffen zu haben.

Das wies der Beklagte zurück. Dem Ex-Chef war die angewendete Betrugsmasche bis zur Tat unbekannt. Die IT der Firma sei hochgerüstet gewesen, da auch sensible Daten von Kunden und Lieferanten auf den Servern gelagert würden. Die Datensicherheit gegen interne und externe Angriffe habe diesen auch nachgewiesen werden müssen. Vergleiche mit Konkurrenzfirmen hätten FACC gezeigt, dass sie auf ähnlich hohem Niveau gewesen sei.

Bei Zahlungen habe es ein 4-Augen-Prinzip gegeben, das sei auch von den Banken gefordert worden, stellte der Ex-Vorstand fest. Jedes Formular für eine Investition ab 1.500 Euro sei von zwei Vorständen abzuzeichnen gewesen. Er habe seit 1991 keine Alleinzeichnungsberechtigung gehabt. Auch die in den Betrug hineingezogene Mitarbeiterin in der Buchhaltung habe zuvor dieses Prinzip nie verletzt. Bei der Aufarbeitung des „Incidents“ - wie die Firma den Betrugsfall nennt - habe sich gezeigt, dass seine Unterschrift für den Abruf des Geldes bei der Bank aus einem Geschäftsbericht herauskopiert und vergrößert eingesetzt worden sei. Dabei seien sogar einzelne Pixel erkennbar gewesen. Spätere Beurteilungen aus dem Firmenbereich Controlling, die Finanzbuchhaltung sei „etwas zu klein“, wies er zurück.

Der nach der Affäre bestellte neue Finanzvorstand bestätigte, dass von der Beute an chinesische Banken überwiesene rund 10,8 Mio. Euro geortet und „eingefroren“ worden seien, bevor sie den Betrügern in die Hände fielen. Er sei zuversichtlich, dass sie zurückfließen. Dazu gebe es Bemühungen auf Staatsebene.

Nach dem Betrugsfall sei die Buchhaltung neu organisiert worden. Es gelte nun quasi ein 6-Augen-Prinzip, und es gebe mehrere Schritte bis zur Freigabe von Zahlungen. Ein weiterer Vorstand, der zum Tatzeitpunkt schon im Amt war, wird voraussichtlich kommenden Freitag als Zeuge befragt werden. Am Dienstag ist geplant, Personen aus der damaligen Buchhaltung einzuvernehmen, darunter jene Mitarbeiterin, die die verhängnisvolle Zahlung durchgeführt hat.

~ ISIN AT00000FACC2 WEB http://www.facc.at ~ APA428 2019-04-08/17:14




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