Letztes Update am Mo, 08.04.2019 21:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Star-Philosoph Lévy traf Orban: „Ich verstehe ihn etwas besser“



Budapest (APA/dpa) - Der französische Philosoph Bernard-Henry Lévy hat am Montag den rechtsnationalen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban auf der Budapester Burg besucht. „Der Orban, den ich vor 30 Jahren traf, war ein ganz anderer als der heutige“, sagte er anschließend dem Nachrichtenportal „index.hu“.

„Es war ein anderes Zeitalter, aber jetzt verstehe ich zumindest teilweise, was geschehen ist - wenn auch nicht zur Gänze, denn jeder Mensch ist ein Rätsel“, so Lévy. Lévy tritt am Mittwoch in Budapest mit seinem Ein-Mann-Theaterstück „Looking for Europe“ auf, mit dem er derzeit durch Europa tourt und damit auch in Wien Halt machte. Orban war als Wortführer der liberalen studentischen Jugend ein Mitgestalter der demokratischen Wende 1989/90 in Ungarn. In dieser Zeit lernte ihn Lévy in Budapest kennen. Der liberale Philosoph hatte sich für den friedlichen und demokratischen Umsturz im damals kommunistischen Ostblock begeistert.

Wenige Jahre später setzte sich Lévy für die Menschen im belagerten Sarajevo und für das von Serbien angegriffene Bosnien ein. Davon handelt auch das Theaterstück, in dem er selbst auf der Bühne steht. Orban hat sich inzwischen zu einem autoritär agierenden politischen Führer gewandelt. Wegen seiner flüchtlingsfeindlichen Politik, seiner Nähe zum Kreml-Chef Wladimir Putin und seiner nationalistischen Rhetorik schätzen und verehren ihn Europas Rechtspopulisten.

Zum Gespräch mit Orban sagte Lévy weiter: „In der Frage des Liberalismus und des Nationalismus sind wir uns nicht einig, und auch nicht darin, was für eine Politik Ungarn gegenüber den Migranten macht.“ Er wisse es allerdings zu schätzen, dass Orban ihm zumindest die Zeit für ein langes Gespräch geschenkt hat.




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