Letztes Update am Di, 09.04.2019 14:40

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gegnerischen Autofahrer niedergeschossen - Opfer glaubte an „Spaß“



Wien (APA) - Weder der Angeschossene noch unbeteiligte Zeugen der Bluttat stützten die vom Angeklagten behauptete Notwehr-Version. Der 27 Jahre alte Tschetschene räumte ein, er habe sich über den langsam vor ihm fahrenden Pkw-Lenker geärgert und diesen angehupt. Bedroht habe er diesen aber zu keinem Zeitpunkt, schon gar nicht sei er bewaffnet gewesen.

Vielmehr habe ihm der 21-Jährige an der Kreuzung Leibnizgasse - Davidgasse bei geöffnetem Seitenfenster „Komm raus“ zugerufen, berichtete der gebürtige Tschetschene. Dieser Aufforderung sei er gefolgt. Da habe der andere schon die Schusswaffe auf ihn gerichtet: „Ich hab‘ gedacht, er macht Spaß. Dann hat er angefangen zu schießen.“

Nacheinander zählte der 27-Jährige die erlittenen Treffer auf, wobei er die Narben zum Teil dem Gericht präsentierte, indem er sich etwa das linke Hosenbein hochkrempelte und auf den Durchschuss am Unterschenkel verwies. Auf die Verantwortung des Angeklagten angesprochen, bemerkte er: „Wie soll ich ihm Angst machen, wenn er gleich mit einer Waffe vor mir steht? Es war kein Streit.“

Ein Ehepaar, das zufällig Zeuge der Schießerei wurde, bestätigte, beim Angeschossenen keine Waffe gesehen zu haben. Dieser habe dem Angeklagten zwar lautstark etwas zugerufen, dabei aber nicht sonderlich bedrohlich gewirkt. Nach den Schüssen sei Panik ausgebrochen, im Tatortbereich aufhältige Kinder hätten zu weinen begonnen, Passanten wären Hals über Kopf davongelaufen bzw. in Deckung gegangen.

Mit dem Urteil dürfte nicht vor 17.00 Uhr zu rechnen sein.




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