Letztes Update am Mi, 10.04.2019 12:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess um Kindesmisshandlung durch Stiefmutter in Linz vertagt



Linz (APA) - Ein Prozess gegen eine 37-Jährige, der vorgeworfen wird, sie habe ihre unmündigen Stiefkinder zwei Jahre lang misshandelt, ist im Landesgericht Linz am Mittwoch auf Ende Mai vertagt worden. Die Sachverständige, eine Psychologin, soll bis dahin ihr Gutachten über die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Kinder noch ergänzen.

Der Fall geht in das Jahr 2015 zurück. Damals kam es zur Trennung der Frau und ihres Ehemannes. Im Scheidungsverfahren tauchte der Vorwurf auf, sie habe den inzwischen elf und 16 Jahre alten Kindern aus der vorherigen Ehe ihres Mannes mehr als zwei Jahre lang Ohrfeigen versetzt, sie mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen, an den Ohren gezogen und an den Haaren gerissen. Das sei mehrmals täglich erfolgt. Tatsächlich dokumentiert ist eine Brandwunde von einer heißen Bratpfanne, eine Schnittverletzung und eine Schwellung an den Händen. Über deren Ursachen gibt es unterschiedliche Versionen. Erst rund eineinhalb Jahre nach der Trennung wurde Anzeige erstattet. Bei einer über ein Jahr fortgesetzten Gewaltausübung gegen Unmündige drohen der Angeklagten im Fall einer Verurteilung fünf bis 15 Jahre Haft.

Die Frau verteidigt sich damit, dass der Bub und seine Schwester schon kurz nachdem sie in die Familie gekommen sei, über Misshandlungen durch die leibliche Mutter berichtet hätten. Diese Vorwürfe würden nun auf sie übertragen. Deshalb wurde ein Gutachten über die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Kinder erstellt. Die Psychologin wertete dazu die Protokolle von deren Vernehmung bei der Polizei sowie die Videos ihrer kontradiktorischen Vernehmung aus. Eine persönliche Befragung war zu ihrem Bedauern nicht möglich. Ihr Vater als Erziehungsberechtigter lehnte dies ab, auch die Kinder wollen nicht mehr mit der Affäre befasst werden.

Die Gutachterin kam zu dem Ergebnis, dass die Schilderungen der Kinder auf tatsächlichen Erlebnissen beruhen würden. Es handle sich nicht um Fantasien, sie seien nicht so beeinflussbar, dass ihnen die Vorfälle eingeredet worden seien, und sie hätten sie auch nicht von ihrer leiblichen auf die Stiefmutter übertragen. In der ihr aufgetragenen Ergänzung des Gutachtens soll sie auch Elemente in den Aussagen der Kinder anführen, die die pauschalen Vorwürfe der täglichen Misshandlungen konkreter werden lassen und zeigen sollen, dass sie auf tatsächlichen Erlebnissen beruhen. Die Verhandlung wurde dazu auf 29. Mai vertagt.




Kommentieren