Letztes Update am Do, 11.04.2019 12:10

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU-Wahl - Ungarischer Historiker für Boykott durch Opposition



Budapest (APA) - Der ungarische Historiker Krisztian Ungvary hält einen Boykott der EU-Wahl durch die ungarische Opposition „für eine gute Idee“. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Magyar Narancs“ betonte Ungvary, dass die Regierung bei Wahlen, die von der rechtsnationalen Regierungspartei Fidesz organisiert werden, ohnehin nicht abgelöst werden könne.

Die Teilnahme der Opposition an der Wahl würde das „antidemokratische System“ lediglich „legitimieren“, sagte Ungvary. Zudem könnte sich Fidesz gar keine Wahlniederlage leisten, weil ansonsten ein bedeutender Teil der Schlüsselfiguren der Partei ins Gefängnis wandern würde.

Parlamentarismus und Wahlen in Ungarn in diesem Jahr sind nach Ungvarys Ansicht ein „politisches Theater“, hinter dem keinerlei Inhalt stehe. Das Parlament sei kein „Haus der Gegengewichte“ mehr. Es müsse vielmehr öffentlich gemacht werden, dass es sich hier in Wirklichkeit um „eine Maske, ein Pseudo-Parlament und eine Pseudo-Demokratie“ handelt.

Die Gespaltenheit der Opposition bezeichnet Ungvary als großes Problem. Dabei sei aber auch die Einhaltung der Spielregeln nicht sinnvoll, weil „die andere Seite ständig betrügt“, betonte der Experte.

Hinsichtlich der Fidesz-Wahlkampagne gegen den ungarischstämmigen US-Milliardär George Soros betonte der Historiker, prinzipiell könne jeder kritisiert werden, so auch Soros. Doch in Kenntnis der ungarischen kulturellen Traditionen sei eindeutig, dass sich die Anti-Soros-Kampagne antisemitischer Klischees bedient. Soros sei ein „Gottesgeschenk“ für den Ministerpräsidenten Viktor Orban. Der liberale Financier verkörpere die „Gefahren der Globalisierung“ in der ungarischen Öffentlichkeit und sei damit bestens geeignet für die Darstellung des vermeintlichen Feindes.




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