Letztes Update am Do, 11.04.2019 15:59

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ausstellung mit Kanzleramts-Bild zeigt Nazi-Verstrickung Noldes



Berlin (APA/dpa) - Nach dem Wirbel um die Gemälde im Kanzleramt präsentiert die Berliner Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof die Schau „Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus“ (12.4.-15.9.). Die Ausstellung zeigt das künstlerische Werk des Expressionisten Nolde (1867-1956) erstmals auf Basis neuer Erkenntnisse im historischen Kontext seiner Biografie und ideologischen Haltung.

Nolde wurde von den Nazis zwar als „entarteter Künstler“ diffamiert, war aber auch NS-Parteimitglied, Antisemit, Rassist und bis zum Ende überzeugter Nationalsozialist. „Wie kaum ein anderes hat sich unser Museum immer auch als Ort der Aufklärung verstanden“, sagte der Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, am Donnerstag in Berlin. „Der Blick auf Nolde wird sich verändern müssen“, sagte Kittelmann.

Für die Ausstellung konnten die Kuratoren Aya Soika und Bernhard Fulda erstmals unbeschränkt auf Archiv der Seebüller Nolde Stiftung mit 25.000 bis 30.000 Dokumenten zugreifen. In der Ausstellung wird auch Noldes Gemälde „Brecher“ von 1936 gezeigt. Das Bild hing mit „Blumengarten (Thersens Haus)“ (1915) als Leihgabe im Arbeitszimmer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie ließ nicht nur den „Brecher“ für die Ausstellung von der Wand nehmen, sondern gab auch gleich den „Blumengarten“ ab. Beide Bilder wollte sie nicht zurück, eine Begründung dafür gab es nicht.

Parallel zur Nolde Ausstellung befasst sich das Berliner Brücke-Museum mit dem Thema „Flucht in die Bilder? Die Künstler der Brücke im Nationalsozialismus“ (14.4.–11.8.). Die ebenfalls von Soika kuratierte Präsentation zeigt eindrücklich, in welcher Form die Nazi-Zeit die Maler Erick Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Pechstein und Ernst Ludwig Kirchner prägte. Die Expressionisten waren in der Künstlergruppe Brücke zusammengeschlossen, der auch Nolde zeitweise angehörte.




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