Letztes Update am Fr, 12.04.2019 12:32

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sudans neuer starker Mann - Ein enger Gefährte von al-Bashir



Khartum (APA/dpa) - Ein demokratischer Neuanfang sieht anders aus: Der neue starke Mann im Sudan ist ein Vertreter der alten Garde. Der pensionierte General Awad Ibn Auf war ein enger Weggefährte des von ihm abgesetzten Präsidenten Omar al-Bashir. Seit 2015 war er sein Verteidigungsminister, zuletzt auch sein Vizepräsident.

Und bereits Anfang des Jahrtausends half er Bashir den blutigen Konflikt in der westlichen Provinz Darfur zu steuern. Kritiker meinen deshalb, der Chef der neuen Militärregierung habe viel Blut an seinen Händen.

Im Darfur-Konflikt war Ibn Auf der US-Regierung zufolge als Chef des Militärgeheimdienstes und Mitglied der Führung in der Hauptstadt Khartum dafür verantwortlich, Aktionen mit der brutalen Janjaweed-Miliz abzustimmen. Die Führung in Khartum soll die Miliz logistisch unterstützt und auch deren Angriffe befehligt haben.

Für seine „Rolle beim Schüren der Gewalt und für Menschenrechtsverletzungen in Darfur“ belegte ihn Washington daher 2007 mit Sanktionen. Der Internationale Strafgerichtshof klagte ihn jedoch nicht an. Im Darfur-Konflikt kamen einer UNO-Schätzung zufolge rund 300.000 Menschen ums Leben.

Zeitweise führte Ibn Auf als Generalstabschef auch die Streitkräfte. Über seine Person ist indes nur wenig bekannt. Der Karrieresoldat soll Berichten zufolge 1954 geboren worden sein. Nach seinem Ausscheiden aus der Militärführung 2010 soll er mehrere Jahre lang sudanesischer Botschafter im Oman gewesen sein. Erst 2015 stieg er als Kabinettsmitglied wieder in Bashirs innersten Führungszirkel auf. Nun soll er bis zu freien Wahlen in zwei Jahren das Land führen.




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