Letztes Update am Fr, 12.04.2019 12:56

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU-Wahl: Die Kurzporträts der Spitzenkandidaten 2



Wien (APA) - NEOS: CLAUDIA GON

Auf eine junge, noch eher unbekannte Spitzenkandidatin setzen die NEOS: Die 30-jährige Nationalratsabgeordnete Claudia Gamon ersetzt heuer Angelika Mlinar, die sich wegen mangelnder Unterstützung durch die Partei zurückzog und jetzt in Slowenien antritt. Mit ihr hatten die NEOS gleich beim ersten EU-Anlauf 2014 8,1 Prozent und ein Mandat geholt. Gamons Ziel ist, „stärker abzuschneiden“ und ein zweites pinkes Mandat zu erreichen. Politische Erfahrung hat die Jüngste im Feld der Listenersten bereits einige gesammelt. Schon während des (mit Master beendeten) Studiums International Management/CEMS engagierte sie sich für die Jungen Liberalen in der Hochschulpolitik, sie war zweimal Spitzenkandidatin bei den ÖH-Wahlen. Seit Oktober 2015 ist die am 23. Dezember 1988 in Feldkirch geborene Vorarlbergerin Abgeordnete zum Nationalrat.

GRÜNE: WERNER KOGLER

Quasi das Comeback der Bundes-Grünen - nach dem Rauswurf aus dem Nationalrat 2017 - soll die EU-Wahl werden. Also hat Werner Kogler sie zur „Chefsache“ gemacht. Der nach dem Desaster eingesprungene und im November 2018 dann offiziell gekürte Parteichef ist Spitzenkandidat. Zumindest die für ein Mandat nötigen rund fünf Prozent sind sein Ziel. Ein relativ bescheidenes nach Ulrike Lunaceks Rekordergebnis von 14,5 Prozent und drei Mandaten im Jahr 2014 - aber laut den Meinungsforschern auch ein realistisches. Viel Geld für den Wahlkampf hat Kogler nicht; er setzt auf „Herzblut und Überzeugung“, Social Media-Wahlkampf mit klassischen Grün-Themen wie Klimaschutz - und „Promi-Faktor“ mit der bekannten deutschen Köchin Sarah Wiener als Listenzweiter. Der am 20. November 1961 in Hartberg geborene Kogler - ein Magister der Volkswirtschaft - ist Grünes Urgestein. In den 1980er-Jahren war er Gründungsmitglied der steirischen Partei, bis 2014 ihr Landessprecher - und saß zuvor schon von 1985 bis 1988 im Grazer Gemeinderat. 1999 zog er in den Nationalrat ein, war Leiter des Rechnungshofausschusses, Budget- und Finanzsprecher, stellvertretender Klubchef unter Eva Glawischnig - und fiel nicht nur mit langen Reden (2010 filibusterte er fast 13 Stunden lang) und Sachkenntnis, sondern auch als Aufdecker u.a. in der Causa Hypo auf.

JETZT/INITIATIVE 1 EUROPA: JOHANNES VOGGENHUBER

Die vom Ex-Grünen Peter Pilz gegründete Liste JETZT würde bei der EU-Wahl gern den Nationalrats-Wahlerfolg wiederholen - und setzt dabei auf einen Ex-Grünen. Voggenhuber bemüht sich mit JETZT/INITIATIVE 1 EUROPA um sein Straßburg-Comeback. Große Chancen darauf geben ihm die Meinungsforscher aber nicht. Der älteste der sieben Spitzenkandidaten bringt nicht nur große politische Erfahrung mit, sondern auch Begeisterung für Europa: Mit der Volksabstimmung 1994 wurde der vehemente EU-Gegner zum glühenden Befürworter - und war von Anfang an (seit 1995) Europaparlamentarier. 2009 zog er bei der Listenwahl der Grünen allerdings den Kürzeren gegen Ulrike Lunacek - und brach daraufhin erbost mit seiner Partei. Begonnen hatte die Karriere des am 5. Juni 1950 geborenen Salzburgers - der zunächst als Versicherungsfachangestellter tätig war - 1997 als Sprecher bei der grünen Bürgerliste in seiner Heimatstadt. Und dies gleich fulminant: 1982 holte er bei der Gemeinderatswahl ein „Traumergebnis“ und zog als erster Grüner Europas in eine Stadtregierung ein. 1988 wurde er Bundesgeschäftsführer der Grünen, 1990 zog er in den Nationalrat ein, bis 1992 war er Klubobmann, und 1995 wurde er (damals noch ohne Wahl) zum EU-Mandatar der Grünen nominiert.

KPÖ: KATERINA ANASTASIOU

Die KPÖ (heuer mit dem Namen „KPÖ PLUS - European Left“) geht mit einer der beiden Spitzenkandidatinnen in die Wahl - und als einzige Partei mit einer Listenersten, die nicht österreichische Staatsbürgerin ist. Die 35-jährige Katerina Anastasiou ist am 20. Juni 1983 in Griechenland geboren. Aber sie kennt Österreich gut, kam sie doch im Alter von 20 nach Wien, wo sie seither lebt und arbeitet. Seit 2015 ist sie für transform!europe tätig, ein Netzwerk von 32 europäischen Organisationen und Stiftung der Partei der Europäischen Linken. Dort koordiniert sie Projekte zum Thema Migration und internationale Angelegenheiten, außerdem ist sie in sozialen Initiativen und Flüchtlings- und Migranten-Organisationen aktiv. Die KPÖ war zwar - allein oder in Bündnissen - bei allen EU-Wahlen dabei, kam aber noch nie in die Nähe der für ein Mandat nötigen fast fünf Prozent.




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