Letztes Update am So, 14.04.2019 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Passionsspiele Erl: Probengewaltakt mit Gewohnheitsvermeidung



Erl (APA) - In Erl ist heuer nicht nur Festspiel-, sondern nach sechs Jahren auch wieder Passionsspielzeit. Die Proben für die Premiere am 26. Mai laufen bereits auf Hochtouren. Im Vergleich zur 2013er-Passion sei diese nunmehr „vielschichtiger“ und das Spiel der Darsteller zum Teil „psychologischer“ geworden, zeigte sich Regisseur Markus Plattner bei einem Lokalaugenschein im APA-Gespräch mehr als zufrieden.

Eine große Herausforderung bleibt aber bestehen. Da die Passion wie schon 2013 auf dem Text von Felix Mitterer basiert, müsse man einige der Darsteller, die damals schon spielten, „neu motivieren und sie mit neuen Gründen für ihr Mitwirken versorgen“, meinte Plattner. „Gewohnheit“ machte der Regisseur dabei als die größte Gefahr aus. Seine Rolle sieht er darin, „Öffnungsprozesse“ der Darsteller anzuleiten. „Nur dann gelingen Emotionalität und Purheit auf der Bühne“, nannte er für ihn und die Passion wichtige Parameter.

Die Probe, in der die Sequenzen vom Einzug in Jerusalem bis zum letzten Abendmahl eingeübt wurden, glich dennoch, trotz aller Zufriedenheit des Regisseurs mit dem Verlauf der bisherigen Proben, einem Gewaltakt. Obwohl nur die „Kernspieler“ auf der Bühne standen, also mit den Musikern etwa 50 statt rund 500 Menschen, musste Plattner seine Augen und Ohren buchstäblich überall haben. An diesem Abend ging es darum, „Übergänge zwischen den Bildern“ zu proben und das Verhältnis von Musik und Schauspiel zu präzisieren.

Hauptziel ist immer, die von Plattner gewünschte „richtige Dynamik“ zu finden. Nach anfänglichem Ruckeln reichten da bald einzelne Handzeichen, um auf Verbesserungsmöglichkeiten hinzuweisen. Der Regisseur, in einer Reihe in der Mitte des Festspielhauses sitzend, begnügt sich aber meist ohnedies nur mit durchdringenden Blicken.

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Dafür gab es nach einer Pause präzises Feedback für die Darsteller. Da muss „synchroner geatmet“ werden oder der „Stampf-Stopp“ präziser erfolgen. Die Leistung des „Hohen Rates“ fand er, so erzählte eine am Spiel beteiligte Frau nach erfolgter Kritik, lediglich „zufriedenstellend“. Danach waren die „Kernspieler“ entlassen und verstreuten sich in alle Richtungen des Dorfes Erl.

Nach der in der kommenden Woche folgenden einwöchigen Pause geht es mit den Proben weiter. „Wir nähern uns langsam dem letzten Drittel“, sagte Plattner und klang dabei in gleichem Maße zufrieden wie erschöpft. Der Weg zur Premiere am 26. Mai scheint jedenfalls geebnet.




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