Letztes Update am Mo, 15.04.2019 11:56

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Libyen: Italien befürchtet Eskalation des Konflikts



Rom/Tripolis (APA) - Italien befürchtet eine Eskalation der Gewalt in Libyen. „Im Fall eines neuen Kriegs in Libyen hätten wir nicht Migranten, sondern Flüchtlinge vor den Toren Italiens. Und Flüchtlinge muss man aufnehmen. Die Folge einer Destabilisierung Libyens würden vor allem Italien belasten“, sagte die italienische Verteidigungsministerin, Elisabetta Trenta, in einem Radiointerview am Montag.

Die Gefahr eines Zuwachs der Migrantenabfahrten von Libyen nach Italien sei sehr groß. „Es ist besonders wichtig, dass wir Europa auf unsere Seite bringen. Wir müssen verstärkt auf eine europäische Lösung drängen“, betonte Trenta.

Auch der italienische Vizepremier und Chef der Regierungspartei „Fünf Sterne“, Luigi Di Maio, zeigte sich wegen des Konflikt in Libyen besorgt.“Die Schließung der italienischen Häfen ist eine provisorische Maßnahme, die sich bei Fällen erfolgreich erwiesen hat, in denen wir die EU wachrütteln mussten. Es handelt sich jedoch um eine provisorische Maßnahme. Sie funktioniert jetzt, doch bei einer Verschärfung der Krise würde sie nicht genügen“, so Di Maio im Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Montagsausgabe).

„Bei eine Verschärfung der Lage müssten wir auf europäischer Ebene auf strukturierte Weise und im Einklang mit dem internationalen Recht vorgehen“, so Di Maio.

Angesichts des eskalierenden Konflikts in dem nordafrikanischen Krisenland könnten bis zu 6.000 Migranten versuchen, von Libyen nach Italien zu gelangen, geht aus einem Bericht des italienischen Geheimdienstes AISE hervor. Das Dossier liegt dem italienischen Premier Giuseppe Conte vor. Zur Flucht nach Italien bereit seien tausende Menschen, die sich derzeit in Libyens Internierungslagern befinden, darunter unzählige Frauen und Kinder. Die italienischen Geheimdienste warnten vor der Gefahr, dass mit einer neuen Migrationswelle aus Libyen auch islamistische Terroristen nach Italien gelangen könnten.

Der parteilose italienische Regierungschef trifft am heutigen Montag in Rom den katarischen Außenminister und Vizepremier Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani. Thema des bilateralen Treffens wird Libyen sein, verlautete aus Regierungskreisen in Rom. Al-Thani macht Druck, damit Italien eine Schlüsselrolle bei den Friedensgesprächen in seiner früheren Kolonie Libyen übernimmt.




Kommentieren