Letztes Update am Mo, 15.04.2019 14:51

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Streit in Afghanistan über Weg zu Friedensgesprächen mit Taliban



Kabul (APA/dpa) - Wie lässt sich Frieden mit den radikalislamischen Taliban erreichen? In Afghanistan treten die Differenzen über diese Frage immer stärker zutage. Mehrere einflussreiche Politiker wollen nun eine von Präsident Ashraf Ghani für Ende April in Kabul angesetzte Große Ratsversammlung (Loya Jirga) boykottieren, die die roten Linien für mögliche Friedensgespräche mit den Taliban bestimmen soll.

Beobachter warnten, dass dies die Legitimität der Versammlung und den gesamten Friedensprozess in Frage stelle.

Außer dem Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah will auch der ehemalige Nationale Sicherheitsberater und Präsidentschaftskandidat Hanif Atmar nicht an der Loya Jirga teilnehmen, wie sein Team am Montag auf Facebook mitteilte.

Das Treffen mit fast 2500 Delegierten aus ganz Afghanistan sei eine „Zeitverschwendung“ im Friedensprozess und diene lediglich dem Wahlkampf des amtierenden Präsidenten Ashraf Ghani, hieß es aus Atmars Team. Ghani stellt sich im September seiner Wiederwahl. Auch der Präsidentschaftskandidat Rahmatullah Nabil erklärte am Montag, er wolle der Veranstaltung fernbleiben.

Schon in den vergangenen Monaten war immer wieder Uneinigkeit zwischen Regierung, Opposition und Zivilgesellschaft darüber zu Tage getreten, wie der Weg zu Frieden aussehen soll. Es gibt verschiedene Vorstellungen zu grundsätzlichen Positionen - sollten etwa die Taliban die Gerichtsbarkeit ändern wollen oder Frauen weniger Rechte einräumen.

Analysten warnten: Sollten die Politiker nicht mit einer Stimme auftreten, würde dies nur den Taliban helfen. Diese führen seit Juli mit den USA Gespräche über eine politische Lösung des Konflikts und weigern sich bisher, mit Regierungsvertretern aus Kabul zu reden.

Diese Woche soll es aber am Samstag im Golfemirat Katar ein Treffen hochrangiger Taliban mit einer Delegation afghanischer Politiker geben. Erstmals könnten auch Vertreter der Regierung Taliban treffen. Die afghanische Seite konnte sich bisher nicht auf eine Delegation für das Treffen einigen.

Ungeachtet der Gespräche Richtung Frieden haben die Taliban am Freitag ihre alljährliche Frühjahrsoffensive angekündigt. Seither griffen sie Sicherheitskräfte in mehreren Provinzen an. Der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, rief die Taliban am Montag zu einem Waffenstillstand auf.




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