Letztes Update am Mo, 15.04.2019 22:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unersetzliche Verluste 2 - Gotisches Chorgestühl vollständig verkohlt



Wien/Paris (APA) - Eine weitere Katastrophe für den Steffl kündigte sich in den Morgenstunden des nächsten Tages an: Die südliche der beiden 16 Meter hohen Ziegelmauern, die das Dach des Ostchores über der rechten Pfeilerarkade tragen halfen, stürzte ein und durchschlug das Gewölbe des Friedrichschores. Die Dachbalken setzten das großartige gotische Chorgestühl in Brand, das vollständig verkohlte. Das war am 13. April der grauenhafte Abschluss der Kulturkatastrophe.

Nicht vom Feuer erfasst wurde der Chorschluss mit dem Chorgestühl von 1647 und der Hochaltar. Im November 1947 stürzten die Reste des Chorgewölbes im Friedrichschor ein. Das Langhaus blieb unbeschädigt.

Die - unvollständige - Bilanz der Feuersbrunst ist schrecklich: Unwiederbringlich verloren gingen das Wimpassingerkreuz, das Triumphbogenkreuz und das gotische Chorgestühl sowie das 1640 von Johann Josef Pack geschaffene kaiserliche Oratorium. Auch die beiden Orgeln von 1720 bzw. 1707 waren verloren.

Die Pummerin mit einem Durchmesser von 3,18 Metern war eine Stiftung Josef II. und wurde aus dem Metall der 1683 erbeuteten türkischen Kanonen von Johann Aschauer in Neustift bei Wien gegossen. Die Halbpummerin (2,59 Meter Durchmesser) war 1472 entstanden und 1558/59 umgegossen worden. Neben diesen Wahrzeichen Wiens stürzten auch die beiden Glocken des südlichen Heidenturms ab - die Zwölferin oder Fürstenglocke und die Viertelpummerin.

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Nicht genug kann die Vernichtung des weltweit architektonisch schönsten und steilsten gotischen Kirchendaches beklagt werden. Dieses war aus 10.000 abgelagerten Lärchenbaumstämmen gezimmert worden, die vor mehr als 500 Jahren in den Wäldern des „Lerchenfeldes“ geschlagen worden waren. Heute erinnert nur noch der Name Lerchenfelder Straße an diese Forste. Das über Jahrhunderte von Holzwürmern verschont gebliebene Dach war tatsächlich unersetzlich - es konnte nicht mehr gezimmert werden. Stahlträger bilden heute die Konstruktion.




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