Letztes Update am Mo, 15.04.2019 22:36

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Notre Dame - Die schon lange gefährdete Schöne an der Seine



Paris/Wien (APA) - Auf der Seine-Insel Ile de la Cite im Herzen von Paris gelegen, ist die Kathedrale Notre Dame eines der Wahrzeichen der französischen Hauptstadt - und mit 13 Millionen Besuchern ein Touristenmagnet. Doch bereits vor dem verheerenden Brand am Montag zeigte sich der bis ins Jahr 1163 zurückreichende Bau schwer renovierungsbedürftig.

Knapp 200 Jahre hatte es bis zur Fertigstellung der beeindruckenden Kathedrale gedauert. Danach wurde die der Jungfrau Maria geweihte Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen jedoch bald zum Sinnbild von Paris, weit vor der Existenz des Eiffelturms. Und mit ihren Maßen von 128 Metern Länge, 40 Metern Breite und 33 Metern Höhe ist das Gebäude prägend für das Stadtbild. Hinzu kommen die beiden mächtigen, 69 Meter hohen Türme.

Dabei wurde Notre Dame auch schon in früheren Jahren von Schreckensereignissen heimgesucht. 1793 plünderten Frankreichs Revolutionäre den Bau, der dann im 19. Jahrhundert unter Eugene Viollet-le-Duc generalsaniert und spätestens mit dem 1831 erschienenen Roman „Der Glöckner von Notre-Dame“ von Victor Hugo auch über die Grenzen Frankreichs hinaus zur Legende wurde. 1979 wurde Notre Dame zum Weltkulturerbe der UNESCO erhoben.

Zugleich sah sich der Bau wie viele gotische Kirchen schon lange Zeit mit einer bröckelnden Substanz konfrontiert - blieb doch die Sanierung des 19. Jahrhunderts die bis dato letzte umfassende. Immerhin wurde in den 1990ern die Front gereinigt, dahinter blieben die Probleme allerdings versteckt. Die Steine der Strebebögen angefressen von der Witterung, Balustraden, die durch Holz notdürftig ersetzt werden mussten, eindringendes Wasser in den Dachstuhl.

150 Millionen Euro sollten in den kommenden Jahren in die Restaurierung fließen, wobei der Staat als Besitzer der Kathedrale ein Drittel beisteuern sollte. Er hatte seinen jährlichen Beitrag von zwei auf vier Millionen Euro erhöht - unter der Bedingung, dass Privatmittel dazukommen.

Erst Anfang vergangenen Jahres veröffentlichte man deshalb eine Spendenkampagne, mit deren Hilfe 100 Millionen Euro über private Wohltäter aufgetrieben werden sollten. „Es ist wirklich Zeit, etwas zu tun“, hatte Michel Picaud, Präsident der Stiftung Friends of Notre Dame de Paris, erklärt.




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