Letztes Update am Mo, 15.04.2019 23:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Demonstranten im Sudan verlangen Auflösung des Militärrats



Khartum (APA/AFP/dpa) - Die Anführer der Protestbewegung im Sudan haben die Auflösung des regierenden Militärrats gefordert. „Wir wollen, dass der Militärrat durch einen zivilen Rat ersetzt wird, dem auch Vertreter des Militärs angehören“, sagte Mohammed Naji vom Berufsverband SPA, der sich an die Spitze der Protestbewegung gestellt hat, am Montag.

Die Proteste in der Hauptstadt Khartum dauerten indes an. Tausende Demonstranten, die seit dem 6. April vor dem Armee-Hauptquartier in Khartum ausharren, setzten ihre Kundgebungen vor dem Militärkomplex fort.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich am Montag in Berlin für eine schnelle Machtübergabe an eine zivile Übergangsregierung aus. Dem müsse sich ein „glaubhafter, inklusiver politischer Prozess“ anschließen, der den Erwartungen der sudanesischen Bevölkerung in Bezug auf wirtschaftliche und politische Reformen Rechnung tragen solle, sagte sie nach Angaben ihres Sprechers in einem Telefonat mit dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Der Militärrat betonte indes erneut, dass er nicht über die Auslieferung des gestürzten Präsidenten Omar al-Bashir an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag entscheiden werde. Diese Entscheidung werde zu einem späteren Zeitpunkt von einer gewählten Zivilregierung getroffen, sagte ein Vertreter der Militärführung bei einem Besuch in Äthiopien.

Der seit drei Jahrzehnten autoritär herrschende Präsident Bashir war am Donnerstag nach monatelangen Massenprotesten vom sudanesischen Militär gestürzt worden. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren wurde ein Militärrat eingesetzt.

Die Massenproteste, die im Dezember 2018 begonnen hatten, richteten sich zunächst gegen eine Erhöhung der Benzin- und Brotpreise, dann gegen die verfehlte Wirtschaftspolitik der Regierung und schließlich direkt gegen Präsident Bashir. Nach dem Putsch nahm ihn das Militär fest und hält ihn seither an einem unbekannten Ort fest. Der Internationale Strafgerichtshof hat wegen der brutalen Massaker in der westlichen Provinz Darfur Haftbefehl gegen Bashir erlassen. Die Militärführung will ihn aber nicht ausliefern.




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