Letztes Update am Di, 16.04.2019 01:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großbrand in Notre-Dame - Macron versprach Wiederaufbau



Paris (APA/Reuters/dpa/AFP) - Ein Großfeuer hat am Montag große Teile der weltberühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame verwüstet. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron sagte am späten Abend einen Wiederaufbau des Gotteshauses zu.

„Ich bin traurig, dass ich heute Abend sehen muss, wie dieser Teil von uns allen brennt“, sagte Macron vor Ort. Die Notre-Dame sei ein Teil der französischen Geschichte und Psyche, „das Epizentrum unseres Lebens“. Er versicherte: „Wir werden Notre-Dame gemeinsam wieder aufbauen“. Man werde „eine nationale Spendenaktion ins Leben rufen“, kündigte Macron an. „Wir werden die größten Talente, auch von außerhalb unserer Grenzen, herbeirufen.“

Macron betonte am späten Abend, das Schlimmste sei verhindert worden, denn die Fassade und die beiden Haupttürme seien nicht zusammengestürzt. Der Kampf gegen das Feuer sei aber noch nicht vollständig gewonnen.

Die französische Milliardärsfamilie Pinault versprach umgehend 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau der von Flammen verwüsteten Kathedrale, wie Francois-Henri Pinault, der Chef des Luxusmodekonzerns Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga), in der Nacht auf Dienstag bekanntgab. Er und sein Vater Francois Pinault hätten beschlossen, 100 Millionen Euro aus der Familien-Finanzholding Artemis für den Wiederaufbau der weltberühmten Kathedrale bereitzustellen.

Der Brand war am frühen Abend aus noch ungeklärter Ursache auf dem Dach ausgebrochen, wo gerade Renovierungsarbeiten stattfanden. Die Ermittlungsbehörden gingen von einem Unfall aus. Die Flammen breiteten sich über den Dachstuhl rasant aus. Der 93 Meter hohe, im 19. Jahrhundert errichtete hölzerne Dachreiter (Spitzturm) über der Vierung brach zusammen, gefolgt vom ganzen Dachstuhl. Aus den beiden großen Türmen der Kathedrale drang schwarzer Rauch.

Ein Feuerwehrmann wurde schwer verletzt, wie die Einsatzkräfte mitteilten. Das Viertel rund um Notre-Dame wurde evakuiert. Die Kathedrale liegt auf der Ile de la Cite, einer Insel in der Seine mitten im Zentrum von Paris.

Politiker und Verantwortliche auf der ganzen Welt zeigten sich entsetzt über die Verwüstung von Notre-Dame. EU-Ratspräsident Donald Tusk twitterte, ganz Europa stehe an der Seite von Paris. „Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa.“ EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte dort: „Was für ein trauriger Anblick, was für ein Horror.“ Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte, die Notre-Dame sei ein Symbol „für Frankreich und unsere europäische Kultur“. Die britische Premierministerin Theresa May sagte, ihre Gedanken seien bei den Franzosen sowie bei den Einsatzkräften, die gegen dieses schreckliche Feuer kämpften.

US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter, es sei „so entsetzlich“, Notre-Dame brennen zu sehen. Er riet zudem zum Einsatz von Löschflugzeugen. Der französische Zivilschutz erklärte, dies käme nicht infrage, weil dadurch das gesamte Gebäude zerstört werden könnte.

Durchwegs traurig reagiert die österreichische Spitzenpolitik auf den Brand in der Pariser Kathedrale. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von schockierenden Bildern und drückte seine Hoffnung aus, dass niemand verletzt wurde. Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich von den „verstörenden“ Bildern erschüttert. Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) meinte auf Twitter: „Meine Gedanken sind in Frankreich bei diesem einzigartigen Wahrzeichen.“ SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner twitterte: „Was sich in Paris gerade abspielt, ist in Worte kaum zu fassen.“ Ihre Gedanken seien bei den Einsatzkräften und der Pariser Bevölkerung.

Kardinal Christoph Schönborn sah die Bilder von der brennenden Pariser Kathedrale „tief erschüttert“, wie er auf Twitter schrieb. Alle müssten nun helfen, die Kirche - „das Herz von Paris - wieder aufzubauen. Der Vatikan reagierte seinerseits entsetzt: „Der Heilige Stuhl hat die Nachricht des entsetzlichen Brandes, der die Kathedrale von Notre-Dame, Symbol der Christenheit in Frankreich und der Welt, verwüstet hat, mit Schock und Trauer aufgenommen“, erklärte Papst-Sprecher Alessandro Gisotti.

Die Feuerwehr teilte am späten Abend mit, innerhalb der Kirche drohten noch immer Gebäudeteile einzustürzen. Die Einsatzkräfte würden die ganze Nacht versuchen, sie zu stabilisieren, den Rauch einzudämmen und wertvolle Kunstwerke und Reliquien zu bewahren.

Eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche konnte aus der brennenden Kathedrale Notre-Dame gerettet worden. Es handle sich dabei um die Dornenkrone, die Jesus Christus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll, sagte Patrick Chauvet, Direktor der Kathedrale am späten Montagabend vor Journalisten. Die Flammen hätten den Kirchenschatz nicht erreicht.

Tausende Menschen versammelten sich auf den Seine-Brücken und sahen mit an, wie sich das Feuer durch das Bauwerk aus dem zwölften Jahrhundert fraß. Viele von ihnen waren sprachlos und hatten Tränen in den Augen. Gläubige beteten und sangen auf den Straßen. Das Drama um das Gotteshaus fällt in die Karwoche, in der sich die Christen auf Ostern - das Fest der Auferstehung Jesu Christi - vorbereiten.

Notre-Dame ist ein Meisterwerk der Gotik und wird jedes Jahr von rund 13 Millionen Touristen besichtigt. Weltberühmt wurde die Kathedrale auch durch den Romanklassiker „Der Glöckner von Notre Dame“ (1831) von Victor Hugo. Sie ist UNESCO-Weltkulturerbe und bekannt unter anderem für ihre gotischen Bögen, steinernen Wasserspeier und bunten Glasfenster. Wegen Renovierungsarbeiten sind weite Teile der Kirche derzeit eingerüstet. Die Behörden nahmen Ermittlungen wegen fahrlässiger Sachbeschädigung auf. Die Generaldirektorin der UNESCO, Audrey Azoulay, teilte auf Twitter mit, die UNESCO werde Frankreich zur Seite stehen, um dieses „Welterbe von unschätzbarem Wert“ zu retten.




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