Letztes Update am Di, 16.04.2019 05:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nordmazedonische Präsidentenwahl: Universitätsprofessoren unter sich



Skopje (APA) - Die bevorstehende Präsidentenwahl in Nordmazedonien trägt einige ungewöhnliche Merkmale. So sind erstmals alle drei Kandidaten Universitätsprofessoren. Zum ersten Mal ist eine Frau dabei. Auf den Sieger wartet eine Reihe von in den vergangenen Monaten erlassenen Gesetzen. Der aktuelle Amtsinhaber Gjorge Ivanov verweigerte ihnen aus Protest gegen die Änderung des Staatsnamens die Unterschrift.

Für den 56-jährigen sozialdemokratischen Präsidentschaftskandidaten Stevo Pendarovski ist es der zweite Versuch, Staatsoberhaupt des südöstlichen EU-Kandidatenlandes zu werden. Vor fünf Jahren hatte er die Stichwahl gegen Ivanov verloren. Der Professor für Außenpolitik und internationale Sicherheit am American College Skopje bringt in den Wahlkampf seine Erfahrungen als außenpolitischer Berater des einstigen Präsidenten Branko Crvenkovski (2005-09) ein.

Die Kandidatin der konservativ-nationalistischen Partei VMRO-DPMNE, Gordana Siljanovska Davkova (63), ist Verfassungsrechtsprofessorin an der staatlichen Universität in Skopje. Ursprünglich der Parteilinie getreu eine ausgesprochene Gegnerin des neuen Staatsnamens, verdeutlichte Siljanovska Davkova im Wahlkampf, dass ihre persönliche Einstellung keinen Einfluss auf ihre Verpflichtungen als Staatsoberhaupt hätte. Als Präsidentin würde sie die internationale Vereinbarung einhalten.

Bei einer Wahlveranstaltung in Kicevo erhielt Siljanovska Davkova unerwartete Unterstützung aus Österreich. Die Präsidentin der Politischen Akademie der ÖVP, Bettina Rausch, wurde im Rahmen einer Bildungsfahrt des VP-Think-Tanks überraschend zur Wahlhelferin. Sie überbrachte auf der Bühne Grüße von Bundeskanzler Sebastian Kurz.

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Der dritte Kandidat, der 59-jährige Blerim Reka, ist Vertreter von zwei kleinen albanischen Oppositionsparteien, hat eher geringe Chancen, in die Stichwahl zu kommen. Er ist stellvertretender Rektor der albanischen Universität in Tetovo und seit 2010 für Forschungsprojekte zuständig. Reka, der seine Doktorarbeit zum Thema Rechtssystem im Kosovo unter UNO-Verwaltung 2002 an den Universitäten in Pristina und Graz vorbereitete, war zwischen 2006 und 2010 Botschafter Mazedoniens (damals noch ohne „Nord-“, Anm.) bei der EU-Mission in Brüssel.

Im Wahlkampf ging wenig um Inhaltliches. Die Kandidaten und deren unterstützende Parteien warfen sich gegenseitig an den Kopf, Lügner, inkompetent und korrupt zu sein, und gaben dem jeweiligen Gegner die Schuld, dass der EU-Beitrittsprozess des Landes in den vergangenen Jahren wegen mangelhaft durchgeführter Reformen ins Stocken geraten war.

Angesichts des vergleichsweise dennoch eher ruhigen Wahlkampfes widmeten die Medien dem Äußeren und dem Privatleben der drei Amtswerber einige Aufmerksamkeit. Bei Penderovski reichten die Kommentare über gutes Aussehen über teure Anzüge bis hin zur lila Farbe seiner Krawatten. An Siljanovska Davkova wurde ihre zerbrechliche Erscheinung, ihr Faible für Rüschenblusen und ihr Verzicht auf allzu viel Kosmetika vermerkt.

Während Pendarovski bei Wahlkampfveranstaltungen seine Ehefrau Elizabeta Gjorgievska zur Unterstützung mitnahm - sie ist ebenfalls Universitätsprofessorin -, trat Siljanovska Davkova ohne ihren Ehemann, dafür aber mit VMRO-Chef Hristijan Mickoski als Mann für die nationalistischen Bedürfnisse der Wählerschaft auf.




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