Letztes Update am Di, 16.04.2019 05:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Opioide - US-“Absicherungsmedizin“ als Hintergrund



Wien/Washington/Berlin (APA) - Schmerzspezialist Rudolf Likar zitierte dazu auch die in den USA aus rechtlichen Gründen zunehmend erfolgende „Absicherungsmedizin“ als Begleitphänomen: „Man schützt sich hier wohl oft vermeintlich vor juristischen Schritten, zum Beispiel weil Schmerzen nicht adäquat gelindert wurden oder weil Nichtopioid-Analgetika zu Nebenwirkungen wie Organschädigungen führen können.“

Das Ergebnis laut dem Kärntner Experten: „Dabei wird übersehen, dass die Opioide zwar keine Organe schädigen, aber dafür bei unangemessenem Einsatz zum Outcome (Resultat; Anm.) Tod führen.“

Während in den USA oft zunächst nur der Schmerz beseitigt werde, erfolge in Europa und Österreich die analgetische Therapie als Konsequenz einer gesicherten Diagnose, stellte Gustorff fest: „Angesichts der verlässlichen Wirksamkeit klassischer Analgetika wie NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika; Anm.) und Opioiden bei Akut- und Krebsschmerzen kann wohl leicht die Neigung aufkommen, diesen Grundsatz zu vereinfachen: Erst das Symptom, also der Schmerz, dann die Therapie mit Analgetika. Und hier liegt eine der Tücken der US-Krise mit Opioiden. Bei einer solchen Vorgangsweise erhalten Patienten mit Kopfschmerzen starke Opioide, obwohl sie bei Kopfschmerz-Diagnosen nachgewiesen unwirksam sind.“ Die Folgen der unkontrollierten Verschreibung zeigten sich in Form der „Opioid-Krise“ in den USA.

Likar ergänzte: „Wir müssen sicher weiterhin wachsam bleiben und sicherstellen, dass nur jene Patienten Opioide erhalten, bei denen das Verhältnis von Nutzen und Nebenwirkungen akzeptabel ist, und einen nachweislichen Nutzen davon haben. Aber wir müssen auch sicherstellen, dass nicht Missbrauch in einzelnen Teilen der Welt zu einem globalen Ruf nach Restriktionen beim Einsatz der potenten Schmerzmittel führen, die unüberwindbare Hürden für Patienten bedeuten könnten, die Opioide dringend zur Schmerzkontrolle benötigen, etwa in der Onkologie oder der Palliativmedizin.“

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Die Verunsicherung von Patienten mit schweren chronischen Schmerzen in Österreich ist jedenfalls bereits groß. „Täglich rufen mich verunsicherte Patienten an, die nicht wissen, ob sie nun ihre verordneten Opiate weiter nehmen sollen“, erklärte Susanne Fiala von der Selbsthilfegruppe Schmerz (shgschmerz@utanet.at; www.schmerz-allianz.at).




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