Letztes Update am Di, 16.04.2019 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tunnelstudie 2 - Höheres Unfallrisiko in Tunneln ohne Gegenverkehr



Salzburg/Wien (APA) - Die Studienautoren wollten auch wissen, wie sich zweite Röhren - also Tunnel ohne Gegenverkehr - auf die Sicherheit auswirken. Und kamen zu einem überraschenden Ergebnis: Das Unfallrisiko ist bei Gegenverkehr sogar etwas geringer. Wenn es dort allerdings kracht, ist das Risiko einer Verletzung etwas höher, die Wahrscheinlichkeit zu sterben sogar dreimal größer als in Tunneln ohne Gegenverkehr.

Verglichen wurde dazu das Unfallgeschehen in Tunneln ab 500 Meter Länge im Zeitraum 2006 bis 2017. In Röhren mit Gegenverkehr ereigneten sich in diesen zwölf Jahren in Summe 216 Unfälle mit Personenschaden (durchschnittlich 18 im Jahr). Dabei gab es 460 Verunglückte (38,3 pro Jahr) und 21 Tote (1,7 pro Jahr). In Tunneln ohne Gegenverkehr wurden 812 Unfälle mit Personenschaden (67,7 pro Jahr) gezählt, bei denen 1.273 Verunglückte (106 im Jahr) und 22 Tote (1,8 im Jahr) registriert wurden.

Aussagekräftiger sind natürlich wieder die Zahlen je gefahrene Milliarde Kilometer: Hier ereigneten sich im Jahresschnitt in Tunneln mit Gegenverkehr 53,5 Unfälle, während es in Röhren ohne Gegenverkehr 60 Kollisionen gab. Dabei verunglückten im Schnitt 114 Menschen in Röhren mit Gegenverkehr, statistische 5,24 Menschen kamen ums Leben. Ohne Gegenverkehr gab es 95 Verunglückte und 1,88 Tote.

Erhoben wurde weiters, wo genau bei Tunnelunfällen die größte Gefahr liegt. Und hier zeigte sich ganz eindeutig, dass der größte Teil aller Kollisionen (etwas mehr als die Hälfte) im Bereich des Portals passiert, wobei das Unfallrisiko bei Tunneln mit Gegenverkehr noch einmal fast doppelt so hoch ist wie bei Röhren ohne Gegenverkehr. Das zweithöchste Risiko liegt in den ersten 150 Metern eines Tunnels, wobei es hier kaum noch eine Rolle spielt, ob Gegenverkehr besteht oder nicht. Dagegen liegt im Tunnelinneren (ab 150 Meter nach dem Portal) das Unfallrisiko nur mehr marginal höher als in den 250 Metern vor bzw. nach dem Tunnel.

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Betrachtet man die verschiedenen Unfalltypen, so zeigt sich, dass auch in Tunneln mit Gegenverkehr Unfälle im Richtungsverkehr, also etwa Auffahrunfälle, am häufigsten vorkommen (rund 60 Prozent). Im Tunnelinneren ist fast jeder dritte Unfall eine Kollision mit dem Gegenverkehr. Bei Tunneln ohne Gegenverkehr sind Unfälle im Richtungsverkehr noch häufiger (72 Prozent), hier sind Alleinunfälle die zweithäufigste Unfallart (26 Prozent).

Schließlich wurden auch noch die Ursachen der Unfälle untersucht. Mehr als jedes dritte Geschehen ist auf Unachtsamkeit oder Ablenkung zurückzuführen. Zweithäufigste Ursache war zu geringer Sicherheitsabstand, wobei dies in Tunneln mit Gegenverkehr (27 Prozent) deutlich häufiger vorkam als in Tunneln ohne Gegenverkehr (17 Prozent). Bei der dritthäufigsten Ursache, der nicht angepassten Geschwindigkeit, verhielt es sich umgekehrt: Hier war dies mit zwölf Prozent in Tunneln ohne Gegenverkehr häufiger der Grund für einen Unfall als bei Gegenverkehr (sieben Prozent). Als vierthäufigster Grund wurde Übermüdung festgestellt.

(H I N W E I S - Mit 1. Jänner 2012 gab es im Bereich der Statistik eine Änderung. Die Datenerhebung und -übermittlung erfolgt seither nicht mehr mit sogenannten Unfallzählblättern, sondern via „Unfalldatenmanagement“ (UDM) elektronisch. Aufgrund der geänderten Erhebungsmethode und eines erweiterten beziehungsweise geänderten Merkmalskatalogs können die Ergebnisse bis 2011 nicht direkt mit jenen ab 2012 verglichen werden.)

(S E R V I C E - „Bericht über Brände und Unfälle in Tunnelanlagen“ des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, November 2018, http://go.apa.at/pEuhDFmg )




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