Letztes Update am Di, 16.04.2019 10:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Masern - Deutscher Impfexperte gegen Masern-Impfpflicht



Berlin (APA/AFP) - Der Impfexperte des staatlichen deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI), Ole Wichmann, hält eine Pflicht zur Impfung gegen Masern nicht für sinnvoll. Bei Masern gebe es vor allem Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, sagte Wichmann am Dienstag im Bayerischen Rundfunk. „Die großen Impflücken sind eher in höherem Alter.“

Wichmann forderte Krankenkassen und Ärzte auf, zu den Vorsorgeuntersuchungen für Jugendliche, sogenannten J-Untersuchungen, gezielt einzuladen. Bevor eine Impfpflicht eingeführt werde, „sollten wir erst einmal versuchen, andere Sachen zu optimieren“.

Der Chef der Impfprävention am RKI verwies auch darauf, dass es auch andere Krankheiten gebe, wo eine höhere Impfquote wünschenswert wäre. So liege die Impfquote zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs bei Mädchen gerade einmal bei 40 Prozent. Diese Impfung könne vor Krebs schützen. „Hier haben wir ein Werkzeug in der Hand, wo man mit hohen Impfquoten viele tausende von Krebsfälle und auch Todesfälle effektiv verhindern kann.“

Angesichts wiederholter Masernausbrüche wird in Deutschland seit Jahren regelmäßig über eine Impfpflicht diskutiert. Nach dem deutschen Bundesland Brandenburg bemüht sich derzeit auch Nordrhein-Westfalen um eine Masernimpfpflicht für Kindergartenkinder. Baden-Württemberg kündigte eine Prüfung an. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) prüft derzeit, wie eine Impfpflicht umgesetzt werden könnte. Die Antwort der Politik mit gesetzlichen Zwängen oder Verordnungen ist aber gerade bei den Impfungen umstritten.

RKI-Präsident Lothar Wieler hatte bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass die Einführung einer Impfpflicht kontraproduktiv sein könne. Er begründet dies unter anderem damit, dass Jugendliche und junge Erwachsene, bei denen es besonders große Impflücken gibt, von einer verpflichtenden Masernimpfung für Kinder nicht erreicht würden. Außerdem könnte die Bereitschaft für verbliebene freiwillige Impfungen deutlich sinken.

Masern sind extrem ansteckend und potenziell tödlich. Die Krankheit tritt in Deutschland und anderen westlichen Ländern wieder verstärkt auf. Das liegt vor allem daran, dass ein Teil der Bevölkerung Impfstoffen zunehmend misstraut. Neben der akuten Erkrankung kann es als Spätfolge einer Masernerkrankung zu einer Entzündung des Gehirns kommen. Alle betroffenen Patienten sterben daran.




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