Letztes Update am Di, 16.04.2019 12:01

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Strategie zur Befreiung: Doctorows „Wie man einen Toaster überlistet“



Berlin (APA/dpa) - Autonom fahrende Autos, vernetzte Haushaltsgeräte und eine auf Zuruf reagierende Technik: Der technische Fortschritt hat viele Erwartungen für den Alltag der Zukunft geweckt. Fortschritte können aber auch gravierende Nachteile mit sich bringen, etwa wenn es darum geht, wer die Kontrolle besitzt. US-Autor Cory Doctorow nimmt sich dem in „Wie man einen Toaster überlistet“ auf unterhaltsame Weise an.

Im Mittelpunkt der Geschichte, die in der nahen Zukunft spielt, steht die junge Salima. Nach ihrer Flucht aus Nordafrika hat sie einige Jahre in einem Flüchtlingslager in den USA zugebracht. Als ihr dann eine Sozialwohnung zugewiesen wird, ist sie zwar allein auf der Welt, aber zum ersten Mal in ihrem Leben hat sie ihr eigenes kleines Reich für sich.

Aber schon bald wird Salima klar, dass ihr kleines Paradies und seine Freiheiten doch ihren Preis haben. Die Sozialwohnungen, die ihr und ihren Nachbarn zugewiesen wurden, liegen in den obersten Stockwerken eines Hochhauses und sind kaum einmal mit den Aufzügen zu erreichen. Auf diese haben die „Vollzahler“ das Vorrecht, die keine subventionierte Miete zahlen und sich darauf verlassen können, dass das Aufzugsystem sie erkennt und bevorzugt.

Damit kann Salima leben, ist sie es doch gewohnt, dass ihr alles im Leben zugeteilt wird. Kritisch wird es jedoch, als die Hausgeräte den Geist aufgeben. Bei denen handelt es sich allerdings nicht um einfache Toaster oder Geschirrspüler. Sie sind computergesteuert und funktionieren nur, wenn ganz bestimmte Brotsorten oder Reinigungsmittel verwendet werden, die die Hersteller zu überteuerten Preisen verkaufen.

Salima beschließt, die Programmierung des Toasters zu überlisten und sich so eine neue Freiheit zu erobern. Schon bald sorgt sie dafür, dass auch ihre Nachbarn dieselbe Freiheit genießen können. Aber dann droht Gefahr: Was, wenn die Betreiberfirma mitbekommt, dass die Geräte gehackt wurden?

Doctorow zeigt Salimas moralischen Nöte angesichts der Probleme, die ihr Tun für ihre Nachbarn bedeuten könnten, aber auch ihr Glück und ihr gesteigertes Selbstvertrauen nach den erfolgreichen Hacks. Aber vor allem zeigt die Geschichte, wie viele Nutzungsebenen und Missbrauchsmöglichkeiten sich hinter technischen Innovationen befinden können. Diese komplexen Zusammenhänge im Rahmen einer Erzählung darzustellen, ist Doctorow überzeugend gelungen.

Der 47-jährige Cory Doctorow ist einer der profiliertesten Schriftsteller und Blogger in den USA. Neben zahlreichen Science-Fiction-Romanen und medienkritischen Posts auf dem Blog „Boing Boing“ ist er besonders bekannt durch seinen Roman „Walkaway“, der im vergangenen Jahr auf Deutsch veröffentlicht wurde und in dem er ein alternatives Wirtschaftssystem beschreibt.

(S E R V I C E - Cory Doctorow: „Wie man einen Toaster überlistet“. Wilhelm Heyne Verlag, 173 Seiten, 12,40 Euro)




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