Letztes Update am Di, 16.04.2019 12:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Notre Dame - Wiederaufbau des Salzburger Doms dauerte 15 Jahre



Salzburg/Paris (APA) - Der 16. Oktober 1944 ist in Salzburg ein strahlend schöner Herbsttag. In der Stadt rechnet niemand ernsthaft mit einem Luftangriff. Salzburg war im Gegensatz zu Wien und München bisher von Bombardements der Alliierten verschont geblieben. Große Rüstungsfabriken und Militärlager gibt es in der Stadt nicht. Doch weil im ursprünglichen Ziel Schlechtwetter herrscht, werden die Flieger umdirigiert.

Der Luftangriff an jenem Montagvormittag wird das schwerste aller 15 Bombardements auf Salzburg während des Zweiten Weltkriegs werden - und er wird 245 Menschenleben fordern. Ziel sind die Gleisanlagen rund um den Salzburger Bahnhof, aber auch die Altstadt wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. Gegen 11.20 Uhr wird der Salzburger Dom von einer Bombe getroffen.

Zum diesem Zeitpunkt halten sich mehrere Personen im Inneren auf, darunter der Dompfarrer und der Domkapellmeister. Zu Schaden kommt im Gebäude niemand, aber die Kuppel stürzt ein und Teile des Altarraums werden zerstört. Rund 3.000 Tonnen Schutt türmen sich nach dem Angriff in der Vierung des Doms.

An einen Wiederaufbau im Krieg ist nicht zu denken, eine provisorische Abdeckung der Kuppel oder andere Sanierungsmaßnahmen während der Wintermonate 1944/45 lehnten die Nationalsozialsten ab. Der Dom gilt nicht als kriegswichtiges Objekt. Die Kirche verschenkt zum Teil Holzbalken aus dem Schutt als Heizmaterial an die Bevölkerung. Doch gleich nach Kriegsende beginnt der Wiederaufbau des Doms.

Wie auf der Internetseite des Salzburger Dommuseums nachzulesen ist, wurde zunächst der beschädigte Teil mit einer Wand vom Hauptschiff abgetrennt und unter der Kuppel ein riesiges Baugerüst errichtet. Zum Abtransport des Schutts brach man ein Loch in die südliche Apsis. Mit Bauholz und geteertem Pappendeckel wurde das Dach für den Winter notdürftig gedeckt. Noch im Sommer 1945 fand ein erstes Benefiz-Konzert statt, das Geld für den Wiederaufbau in die Kassen spülen sollte.

Noch im selben Jahr wurde im „verkürzten“ Dom erstmals wieder einen Gottesdienst gefeiert, Weihnachten 1948 war der Dachstuhl der Kuppel fertig, zum Abschluss des Außenbaus wurde im Mai 1949 das 100 Kilogramm schwere Kuppelkreuz montiert. Doch nicht alles war eitel Wonne - in der Bevölkerung sorgte die asymmetrisch wirkende „schiefe“ Kuppel für heftige Diskussionen. 1954 wurde das Innere des Doms fertiggestellt, im Herbst 1956 das riesige Gerüst unter der Kuppel abgebaut. Im 30. April 1959 schließlich wurde der Dom von Erzbischof Andreas Rohracher feierlich eröffnet.

Der Bau der Kuppel wurde zu einem großen Teil von den Gläubigen der Diözese getragen. Sie steuerten ein Drittel der Baukosten durch Spenden bei. 17 Prozent kamen vom Bund und vier Prozent vom Land, erst ab 1954 verschob sich das Verhältnis, die Gebietskörperschaften steuerten dann 80 Prozent bei. Viele Menschen leisteten freiwillige Dienste und Firmen lieferten kostenlos Material. Erzbischof Rohracher appellierte an die Bauern, jeder solle eine Sau aufziehen, mästen und den Verkaufserlös dem Wiederaufbau des Doms widmen - daraus wurde im Volksmund der Begriff „Domsau“.




Kommentieren