Letztes Update am Di, 16.04.2019 13:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Notre Dame - Bedeutende gotische Kathedralen Europas



Paris/Wien (APA) - Der gotische Stil entwickelte sich im 12. Jahrhundert zunächst in Frankreich, von wo aus er sich auf ganz Westeuropa ausbreitete und im 16. Jahrhundert in die Renaissancekunst Eingang fand. Stilistisch entsteht durch den Einsatz von gegliederten Säulen, gerippten Gewölben und fliegenden Strebepfeilern ein starker Fokus auf Vertikalität und Licht.

Die Schönheit der gotischen Bauweise kommt - obwohl sie auch in Schlössern und Palästen eingesetzt wurde - insbesondere in den gewaltigen Kathedralen zum Ausdruck. Im Folgenden eine Auswahl einiger der bedeutendsten Sakralbauten aus der Zeit der Gotik in Europa:

CHARTRES - In der kleinen französischen Stadt Chartres in der Nähe von Paris findet sich ein besonders puristisches Beispiel für den hochgotischen Stil. Neben der Mehrheit der ursprünglichen Glasfenster ist auch die Architektur seit ihrer Weihe 1260 weitgehend intakt. Die 130 Meter lange und 64 Meter lange Kirche ist bereits seit 1979 UNESCO-Welterbe.

FLORENZ - Eines der Wahrzeichen der italienischen Stadt Florenz ist die Basilika Santa Maria del Fiore. Sie wurde 1296 im gotischen Stil begonnen, aber erst 1436 in der Renaissancezeit fertiggestellt. Mit einem Längsschiff von 153 Metern Länge, 38 Metern Breite und einem Kuppelfundament von 90 Metern Breite zählt sie zu den fünf größten Kirchen Europas. Auffällig ist ihre Außengestaltung mit den Marmorplatten in Grün und Rosa.

KÖLN - Der Kölner Dom ist die größte unter den gotischen Kathedralen und war einst das höchste Gebäude der Welt. Der berühmte Sakralbau steht auf dem Gelände eines römischen Tempels aus dem vierten Jahrhundert, der Bau begann 1248 und nahm mit Unterbrechungen mehr als 600 Jahre in Anspruch. Heute ist der Dom die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Deutschlands: Das Domkapitel gibt 20.000 bis 30.000 Besucher pro Tag an.

YORK - Eine Fensterwand des York Minster hat die Länge eines Tennisfeldes - das „Great East Window“ ist die größte Fläche der mittelalterlichen Glasmalerei der Welt, die Kathedrale im britischen York die größte mittelalterliche Kirche in England. Nach einer Bauzeit von 250 Jahren 1472 fertiggestellt, umfasst der Bau alle wichtigen Etappen der gotischen Entwicklung und dominiert das Aussehen der nur 137.000 Einwohner zählenden Stadt.

SEVILLA - Vollendet im 16. Jahrhundert, löste die Kathedrale von Sevilla die Hagia Sophia als größte Kirche der Welt ab. Ihre Länge beträgt 115 Meter, ihre Breite 76 Meter. Erbaut wurde sie auf dem Gelände einer großen Almohaden-Moschee, um die Macht und den Reichtum der Stadt nach der Reconquista zu demonstrieren. Die Erbauer nutzten einige Säulen und Elemente aus der Moschee, am berühmtesten die Giralda, ein Minarett, dass in einen Glockenturm umgewandelt wurde. Die Kirche birgt unter anderem das Grabmal von Christoph Kolumbus.

MAILAND - Der Dom zu Mailand stellt eine Ausnahme im italienischen Kirchenbau dar - insbesondere, weil er zwar 1386 im gotischen Stil begonnen, jedoch erst unter Napoleon mit einer bereits barock geprägten Fassade abgeschlossen wurde. Es handelt sich um den größten Marmorbau der Welt, einen Turm im eigentlichen Sinne besitzt er nicht.

REIMS - Für viele Monarchen Frankreichs war die Kathedrale von Reims in der Champagne die Krönungskirche. Mit Ausnahme der Westfassade, ein herausragendes Beispiel der gotischen Bildhauerkunst, war sie bereits 1311 fertiggestellt. Bei einem Brand 1481 wurden das Dach und die Türme zerstört. Auch während des Ersten Weltkrieges wurde die Kathedrale schwer beschädigt, unter anderem wurde der hölzerne Dachstuhl aus dem 15. Jahrhundert komplett zerstört. Die Renovierung dauerte rund 20 Jahre.

STRASSBURG - Das Liebfrauenmünster zu Straßburg (Cathedrale Notre Dame de Strasbourg) zählt neben seiner künstlerisch bedeutenden Gestaltung zu den größten Sandsteinbauten der Welt. Der 1176 bis 1439 errichtete Bau verbindet deutsche und französische Einflüsse und entstand zunächst im romanischen, später im gotischen Stil. Im 17. und 18. Jahrhundert war das Münster mit seinem 142 Meter hohen Nordturm das höchste Bauwerk der Menschheit. Weil der Südturm nie gebaut wurde, erhielt es seine charakteristische asymmetrische Form. Schwer beschädigt wurde die Kirche 1870 sowie 1944 durch Bomben, ihr Inneres hatte unter dem reformatorischen Bildersturm, der Rekatholisierung und der französischen Revolution zu Leiden.

WIEN - Der Stephansdom im Herzen von Wien gilt als Wahrzeichen und wichtigste Kirche Österreichs. Teile des spätromanischen Vorgängerbaues sind noch erhalten und bilden die Westfassade. Eines der bekanntesten Merkmale der Kathedrale, das gemusterte Ziegeldach stammt allerdings erst aus 1952: Das ursprüngliche Dach aus dem 15. Jahrhundert brannte 1945 vollständig ab.

PARIS - 1163 begonnen und um 1345 fertiggestellt, gilt die Kathedrale Notre Dame auf der Pariser Ile-de-la-Cite als wichtigstes Kirchengebäude Frankreichs. Neben der gotischen Architektur ist sie kunsthistorisch auch für ihre Skulpturengestaltung sowie ihre Glasmalerei bekannt. Viele ihrer Kunstschätze wurden allerdings bereits während der französischen Revolution beschädigt oder zerstört. Das Kirchenschiff ist im Inneren 130 Meter lang, 48 Meter breit und 35 Meter hoch; es bietet bis zu 10.000 Personen Platz. Der schlanke hölzerne Vierungsturm, der bei dem Großbrand am gestrigen Montag einstürzte, reichte bis in 93 Meter Höhe. Das UNESCO-Kulturerbe zieht jährlich fast 13 Millionen Touristen und Gläubige an.

( 0479-19, Format 88 x 90 mm)




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