Letztes Update am Di, 16.04.2019 17:40

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Notre Dame - Ex-Branddirektor: Hofburgbrand brachte viel Sicherheit



Paris/Wien (APA) - Der frühere Wiener Branddirektor Friedrich Perner sieht Parallelen zwischen dem Brand der Hofburg am 27. November 1992 und dem der Pariser Kathedrale Notre Dame am Montagabend. Perner hatte damals als Einsatzleiter die Bekämpfung des Feuers organisiert. Beide Brände seien sehr spät entdeckt worden, sagte der Experte am Dienstag im Gespräch mit der APA. Danach sei viel in Sicherheit investiert worden.

Und wie jetzt bei der Notre Dame habe es damals auch in der Hofburg eine „unglaubliche Menge Holz“ gegeben, ergänzte Perner. Das Feuer in der Hofburg sei aufgrund „elektrischer Umstände“ entstanden, bei der Kathedrale weiß man es noch nicht. Wahrscheinlich schien am Dienstag ein Zusammenhang mit Restaurierungsarbeiten an der gotischen Kirche.

„Was mir schon unangenehm auffällt, ist, warum der Brand dort nicht rechtzeitig entdeckt wurde“, konstatierte Perner in Bezug auf die Notre Dame. Bei der Hofburg sei das Brandgeschehen so weit fortgeschritten gewesen, dass im Prinzip nur mehr der Umgebungsschutz geblieben sei. „Es war so, dass das Feuer damals sehr spät entdeckt wurde. Am Josefsplatz gab es nur Blindfenster. Der Melder einer Übersetzungskabine schlug schließlich an“, schilderte der frühere Leiter der Wiener Berufsfeuerwehr die damaligen Ereignisse.

„Der Große Redoutensaal war nicht mehr zu retten. Es ging um den Schutz der Schatzkammer, der Präsidentschaftskanzlei und vor allem der Nationalbibliothek. Deren Zerstörung wäre ein Albtraum gewesen“, sagte Perner. „Das war zu retten, mehr hat man auch nicht machen können.“ Auch beim Einsatz bei Notre Dame dürfte das ähnlich gewesen sein.

Durch den Hofburgbrand sei aber vieles entstanden, „so unangenehm das damals war“, betonte der frühere Branddirektor. In Sachen Feuerschutz sei bei allen historischen Gebäuden Wiens sehr viel gemacht worden. Vom Prinzip her könne ein ähnliches Brandereignis in Wien eigentlich nicht mehr stattfinden, weil das Feuer wohl früher entdeckt würde, meinte Perner. Er schränkte ein, dass dies nicht Taten eines Brandstifters oder Attentäters umfasse.

„Am unangenehmsten wäre ein Brand in einem Theater, weil dort viele Menschen sind“, sagte Perner. „Und einen Seitenhieb muss ich schon anbringen: In meiner Ära hätte es keine Zustimmung zu einem Holzhochhaus gegeben. Auch wenn die Trägerkonstruktion aus Stahl ist, gibt es eine Fassade aus Holz. Ob das notwendig ist?“




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