Letztes Update am Mi, 17.04.2019 15:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltweite RWE-Ökostrom-Offensive - Milliarden-Investments in den USA



Essen/New York/Frankfurt (APA/Reuters) - Der lange Zeit auf Atom- und Kohlekraftwerke fokussierte deutsche Energiekonzern RWE will sein Ökostromgeschäft mit Milliardeninvestments ausbauen und setzt dabei auf die Boom-Märkte in Nordamerika und Asien. „Die Erneuerbaren werden ein weltweit wichtiges und stark wachsendes Geschäft für uns“, so CFO Markus Krebber in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

„Wir wollen in den USA in den nächsten Jahren voraussichtlich mehrere Milliarden Euro in den Ausbau des Geschäfts investieren“, sagte der Finanzvorstand. Spätestens in der zweiten Hälfte des kommenden Jahrzehnts wolle der Versorger auch in den asiatischen Markt für Erneuerbare Energie einsteigen. „Die Vorbereitungen dazu beginnen jetzt.“

Mit der geplanten Übernahme der Ökostromgeschäfte der Tochter Innogy und der von E.ON bis Ende des Jahres will sich der von Umweltschützern scharf kritisierte Versorger zu einem der weltweit größten Ökostromerzeuger wandeln. Sollte die EU-Kommission dem gesamten Tauschgeschäft mit E.ON zustimmen, würde RWE auf einen Schlag über Ökostromanlagen von zehn Gigawatt verfügen - das entspricht in etwa der Leistung von zehn Kernkraftwerken. Und dabei soll es nicht bleiben. „Wir selbst wollen rund 1,5 Mrd. Euro pro Jahr investieren, zusammen mit Partnern kann die gemeinsame Summe bei 2,5 Mrd. Euro liegen“, kündigte Krebber an.

Mit dem Sprung in entfernter gelegene Märkte wie die USA reagieren die Versorger auch auf die zurückgehenden staatlichen Förderungen für Ökostrom hierzulande. Bei größeren Projekten, die viel Kapital benötigen, sind Partnerschaften üblich. So hat der Karlsruher Versorger EnBW ebenfalls den US-Offshore-Markt im Blick und ist zu Kooperationen bereit. EdF aus Frankreich und EDP aus Portugal haben sich im US-Offshore-Geschäft mit dem Ölriesen Shell verbündet. RWE schloss am Mittwoch zudem für den Ausbau seiner Geschäfte eine neue Kreditlinie in Höhe von über fünf Mrd. Euro ab.

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„Wir wollen in alle Technologien investieren - Offshore Wind, Onshore Wind, Solarenergie und Speicher“, sagte Krebber. Kernmarkt für Investitionen der kommenden Jahre in Windenergie auf See sei Europa, für Windenergie an Land Nordamerika und Europa. „Für Photovoltaik sind Nordamerika, Europa und auch Australien relevant.“

Der 1898 gegründete Versorger will das Ökostromgeschäft künftig unter den Namen RWE Renewables betreiben. Die Sparte wird umgehend zu einer der wichtigsten Säulen des Mutterkonzerns RWE, zu dem auch weiter die konventionelle Erzeugung und das Handelsgeschäft gehören werden. Sie soll bereits im ersten Jahr nach Abschluss des Tauschgeschäfts mehr als die Hälfte zum bereinigten Ebitda des Konzerns beitragen.

Der 46-jährige Krebber ist seit Oktober 2016 Finanzchef. Der Diplom-Ökonom gilt als Nachfolgekandidat für RWE-Chef Rolf Martin Schmitz (61). Dieser hatte wegen seines Einsatzes für die Braunkohle nach den RWE-Vorstandsvorsitzenden Harry Roels 2006 und Jürgen Großmann 2010 im vergangenen Jahr vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) den Anti-Preis „Dinosaurier des Jahres“ erhalten.

In den USA sind E.ON und Innogy bereits vorgeprescht. Mehr als 650 Mitarbeiter sind bereits vor Ort. RWE übernehme Onshore-Windanlagen in einer Größenordnung von drei Gigawatt. In der Pipeline seien weitere acht Gigawatt, berichtete Krebber. „Sehr gute Standorte für Windenergieanlagen in den USA liegen zwischen den Großen Seen im Norden und Texas und New Mexiko im Süden.“ Dort habe vor allem E.ON Anlagen errichtet, Innogy habe ein attraktives Portfolio auch in anderen Staaten wie Ohio und Pennsylvania erworben. „In den genannten Gebieten werden auch künftig Schwerpunkte liegen.“ Der Konzern wolle Projekte selbst entwickeln und bauen. „Größere Übernahmen von anderen Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien planen wir derzeit nicht.“ In Asien sei vor allem Offshore-Windenergie sehr interessant, etwa in Japan oder Korea. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir bereits vor 2025 eine größere Investition in Asien tätigen werden.“

Der letzte größere Ausflug von RWE in die USA war ein Fehlschlag. 2003 hatte der Konzern für gut 4,5 Mrd. Euro plus Schulden den Wasserversorger American Water Works übernommen. Sechs Jahre später und nach hohen Verlusten stießen die Essener das Unternehmen wieder ab. „Unsere früheren Aktivitäten in Nordamerika im Wasserbereich sind überhaupt nicht mit den jetzigen vergleichbar“, betonte Krebber. Mit American Water sei RWE damals in ein Geschäft vorgestoßen, das mit den übrigen Aktivitäten des Konzerns nichts zu tun gehabt habe. „Das ist bei den Erneuerbaren anders.“

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