Letztes Update am Do, 18.04.2019 06:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spanien-Wahl - Pedro Sanchez: Sozialist mit sieben Leben



Madrid (APA) - Spaniens sozialistischer Ministerpräsident Pedro Sanchez wurde schon mehrmals für politisch tot erklärt. Doch der 46-jährige Wirtschaftswissenschaftler stammt aus Madrid. Madrilenen werden gerne als „Katzen“ bezeichnet und die haben bekanntlich sieben Leben. So auch der zweifache Familienvater und Basketballfan Pedro Sanchez.

1993 tritt der Sohn eines Unternehmers und einer Beamtin der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens (PSOE) bei, wird 2004 Stadtrat in Madrid und 2009 als Nachrücker Parlamentsabgeordneter. Blitzschnell startet seine Parteikarriere. Überraschend setzt er sich 2014 bei der ersten Urwahl in der Geschichte der Sozialisten als neuer PSOE-Generalsekretär durch.

Doch 2015 verliert „Pedro, el guapo“ (Pedro, der Schöne) haushoch die Parlamentswahlen gegen den damaligen konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. Bei den vorgezogenen Neuwahlen im Juni 2016 fährt er sogar das schlechteste Wahlergebnis in der Geschichte der Partei ein. Einige Monate kann er sich noch an der Parteispitze halten. Er blockiert über Monate die Bildung einer konservativen Minderheitsregierung, weshalb er selbst innerhalb seiner eigenen Partei in die Kritik gerät. Schließlich erheben sich die Partei-Barone gegen den jungen Newcomer und stürzen ihn.

Doch Sanchez ist ein politisches Stehaufmännchen. Nach einer selbstfinanzierten Werbetour gewinnt er 2017 in einer Mitgliederbefragung gegen seine parteiinterne Konkurrentin, Andalusiens mächtige Ministerpräsidentin Susana Diaz, und übernimmt erneut die Parteiführung.

Im Juni 2018, nur einen Tag nach der Urteilsverkündung in einem großen Korruptionsprozess gegen Rajoys konservative Volkspartei (PP), bringt Sanchez im Parlament einen Misstrauensantrag gegen Rajoy ein. Mit Unterstützung von der linken Podemos, den liberalen Ciudadanos und den katalanischen Separatisten entmachtet er den amtierenden Premier und übernimmt selbst das Ruder.

Doch nach knapp acht Monaten war seine schwache Minderheitsregierung mit 85 Abgeordneten nicht mehr regierungsfähig. Als die katalanischen Separatisten ihm wegen der stockenden Gespräche über die Unabhängigkeit das Vertrauen entziehen und seinen Haushaltsentwurf zu Fall bringen ruft Sanchez für den 28. April Neuwahlen aus.

Heuer gilt er als Wahlfavorit. Laut jüngsten Wahlumfragen dürften seine Sozialisten mit bis zu 133 Sitzen stärkste Partei bei den vorgezogenen Wahlen werden. Er hat es geschafft, seine Partei zu stabilisieren und sich als Regierungschef zu profilieren. Früher stark angefeindet, steht er in seiner Partei heute unangefochten an der Spitze - vor allem nach der Abwahl seiner Widersacherin Susana Diaz als Regionalpräsidentin von Andalusien Mitte Jänner. Sanchez veröffentlichte vor einigen Monaten eine Autobiografie mit dem Titel „Manuel de resistencia“. Das könnte man mit „Anleitung zum Widerstand“ oder zum „Durchhalten“ übersetzen. Sanchez, ein Mann mit sieben politischen Leben.




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