Letztes Update am Do, 18.04.2019 08:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Columbine-Trauma verstört die USA bis heute



Washington (APA/AFP) - Das Massaker vor 20 Jahren an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado hat sich tief in die kollektive Psyche der USA eingebrannt. Am 20. April 1999 erschossen zwei Teenager in Littleton, einem Vorort von Denver, zwölf Menschen und einen Lehrer, 24 weitere Menschen wurden verletzt. Anschließend töteten der 18-jährige Eric Harris und der 17-jährige Dylan Klebold sich selbst.

Columbine war das bis dahin schlimmste Schulmassaker der US-Geschichte. Es folgte eine lange Serie von Blutbädern an US-Schulen und Hochschulen, die teilweise sogar noch gräulicher waren.

So erschoss 2007 ein 23-Jähriger an der Hochschule Virginia Tech 27 Studenten und fünf Lehrer, bevor er sich selbst tötete. 2012 ermordete ein 20-Jähriger in der Sandy-Hook-Grundschule von Newtown im Bundesstaat Connecticut 20 Kinder und sechs Erwachsene. Danach nahm er sich das Leben. An einer High School in Parkland in Florida starben am Valentinstag vergangenen Jahres 17 Menschen im Kugelhagel. Der heute 20-jährige Täter ist in Haft.

Die Columbine-Angreifer waren Vorbilder für viele der späteren Gewalttäter. Auch eine bewaffnete 18-Jährige, die im Vorfeld des jetzigen Jahrestags Drohungen gegen Schulen im Großraum Denver vorgebracht haben soll und am Mittwoch tot aufgefunden wurde, war laut Polizei von „Besessenheit“ für das Columbine-Massaker und die damaligen Täter erfüllt.

Harris und Klebold hatten ihren Mordanschlag von langer Hand vorbereitet. Sie wollten so viele ihrer Mitschüler töten wie möglich. In der Schulcafeteria legten die beiden jungen Männer in den langen schwarzen Trenchcoats kurz vor der Unterrichtspause zwei Seesäcke mit Propangasbomben ab. Dann warteten sie auf dem Schülerparkplatz darauf, dass die mit Zeitzündern versehenen Sprengsätze hochgingen. Doch weil die Zünder versagten, blieben die Detonationen aus.

Die mit Gewehren und Pistolen bewaffneten Angreifer eröffneten daraufhin das Feuer. Das Gemetzel schien ihnen Spaß zu machen, sie lachten und grölten. Kurz nach Eintreffen eines Sondereinsatzkommandos erschossen Harris und Klebold sich selbst.

Über die Motive der Mörder wurde viel spekuliert - etwa über den möglichen Einfluss von Videospielen oder der Gothic-Subkultur. Doch viele Spekulationen gingen in die falsche Richtung. Die Hauptantriebskraft der Täter war offenbar eine Art perverser Größenwahn. Sie wollten durch Massenmord in die Geschichte eingehen.

Columbine führte zu Verschärfungen der Sicherheitsvorkehrungen an Schulen im ganzen Land. Verschlossene Zugangstüren, bewaffnete Wächter, Videoüberwachung, Übungen für den Angriffsfall und vielfach sogar Metalldetektoren sollen die Schulen sicherer machen. Das Leben mit der Bedrohung gehört zum Schulalltag.

Die lange Serie von Schusswaffenvorfällen zeigt jedoch, dass die Maßnahmen nur begrenzt wirken. Kritiker des liberalen US-Waffenrechts sehen den leichten Zugang von psychisch gestörten jungen Menschen zu Schusswaffen als das Hauptproblem. Auch die von den Überlebenden des Parkland-Massakers angeführten Massenproteste haben bisher zu keinen tiefgreifenden Beschränkungen in den landesweiten Waffenregelungen geführt.

Die Frustration über das lockere Waffenrecht wird von manchen Columbine-Überlebenden geteilt. Sie sei „wütend“, weil sich bisher an der Gesetzeslage nichts geändert habe, sagte die heute 35-jährige Amanda Duran. Wütend ist sie auch darüber, dass die Täter von Columbine von vielen bis heute als „Inspiration“ gesehen werden. Duran war damals in der Schulbibliothek, als Harris und Klebold dort um sich feuerten. Sie wurde von den Kugeln verschont - aber die fürchterlichen Erinnerungen bleiben.




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