Letztes Update am Do, 18.04.2019 12:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Industrie: Konjunkturelle Ernüchterung mit Steuerreform abfedern



Wien (APA) - Die Industriellenvereinigung prognostiziert auf Basis ihres neuesten Konjunkturbarometers ein Wirtschaftswachstum von 1,5 bis 1,75 Prozent heuer. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer und -Chefökonom Christian Helmenstein sprachen am Donnerstag vor Journalisten von einer konjunkturellen Ernüchterung, die auch ein Handlungsauftrag für politische Reformen sei. Rezession sei aber keine in Sicht.

Der Industrie geht es um eine stärkere Bekämpfung des Fachkräftemangels und eine „ausgewogene, faire Steuerreform, von der Menschen und Unternehmen profitieren“, so Neumayer. „Es geht darum, den Faktor Arbeit wirklich zu entlasten. Hier sind wir uns wohl mit Arbeitnehmervertretern und der Politik einig.“ Für die Betriebe müsse auch etwas herausschauen, über die vergangenen Jahre hätten diese nämlich „Verschlechterungen erlebt“.

So gehöre die Körperschaftsteuer (KÖSt) signifikant gesenkt, am besten sollte ein Einser vor dem Steuersatz stehen, der sich derzeit auf 25 Prozent beläuft, so Neumayer. Auch die Halbierung des Steuersatzes für einbehaltene Gewinne sei eine Variante. Welche gezogen werde, müsse die Politik entscheiden. „Beide Zugänge sind gut.“ Auf die Frage, ob nicht ein EU-Korridor für den KÖSt-Satz geschaffen werden solle, damit sich die Steuerspirale im internationalen Wettbewerb unter den Staaten nicht bis ins bodenlose nach unten dreht, zeigte sich Neumayer skeptisch zu solchen Überlegungen. „Eine Vergleichbarkeit der Bemessungsgrundlage macht Sinn. Aber Länder, die noch nicht den selben Wohlstand erreicht haben, das Instrument einer steuerlichen Attraktivität zu nehmen, ist nicht fair.“

Grundsätzlich hielt der IV-Generalsekretär zur angekündigten Steuerreform fest: „Ich glaube man sollte mutig sein, signifikante Senkungen vornehmen und insbesondere daran denken, dass gewisse Selbstfinanzierungskraft gibt. Kurzfristig könnten, nicht zuletzt auf Basis der Ergebnisse des IV-Konjunkturbarometers, zudem investitionsfördernde Maßnahmen vorgezogen werden.“

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Den Bedarf für ein antizyklisches Konjunkturpaket gebe es derzeit aber nicht, betonte Helmenstein. Vielmehr wachse Österreich ziemlich genau in der Höhe seines Potenzialwachstums, das bei 1,6 bis 1,8 Prozent liegt. „Faktisch handelt es sich um ein konjunkturelles Normaljahr.“ Als positiv strich Helmenstein etwa hervor, dass dem Konjunkturbarometer zufolge die Geschäftserwartungen der Unternehmen in einem halben Jahr besser bewertet werden als die aktuellen. Der aktuelle Auftragsbestand sei auch „auskömmlich“.

Im Rahmen der Steuerreform solle auch auf den Kapitalmarkt nicht vergessen werden, forderte Neumayer. „Es macht Sinn, wieder an eine Spekulationsfrist zu denken; die Menschen sollen ihre Aktien länger halten.“ Zudem sollten die steuerlichen Abschreibungsdauern auf jene im Unternehmensgesetzbuch angeglichen werden. „So gäbe es schnellere Resultate in der Gebäudesanierung und schnellere Erneuerungen von Fahrzeugflotten, das hätte auch einen ökologischen Nutzen.“

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~ WEB http://www.iv-net.at/ ~ APA210 2019-04-18/12:00




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