Letztes Update am Do, 18.04.2019 12:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gewerkschaft: Oberndorfer Druckerei in finanziellen Schwierigkeiten



Göming (APA) - Die Oberndorfer Druckerei GmbH mit Sitz in Göming im Salzburger Flachgau befindet sich laut Gewerkschaft in finanziellen Schwierigkeiten. Seit Anfang März dieses Jahres habe das Unternehmen keine Gehälter und Löhne mehr ausbezahlt. Die 160 betroffenen Mitarbeiter seien gestern, Mittwoch, bei einer Betriebsversammlung über die wirtschaftliche Situation informiert worden, so die GPA-djp Salzburg.

Die Rollen-Offset-Druckerei und Industriebuchbinderei in Göming gehört zur Circle Media Group mit Sitz in Amsterdam, die gestern laut einem deutschen Branchenportal entschieden hat, einen Insolvenzantrag für ihre holländischen Druckunternehmen zu stellen. Die Papierpreise seien um 15 bis 20 Prozent gestiegen, das Druckvolumen aber doppelt so schnell zurückgegangen wie sonst im Durchschnitt, wurde mitunter argumentiert.

Die Oberndorfer Druckerei soll offenbar verkauft werden. Die Mitarbeiter wurden gestern darüber informiert, dass es Gespräche mit einem potenziellen Käufer gebe. Es habe geheißen, dass Geld vorhanden sei, um die Produktion aufrechtzuerhalten, sagte der stellvertretende Betriebsrat Markus Kosmaier im Gespräch mit der APA. Das Geld reiche aber nicht aus, um derzeit die Gehälter auszubezahlen. Die Gewerkschaft setzte dem Unternehmen eine zehntägige Frist zur Ausbezahlung der Löhne und Gehälter an die Mitarbeiter.

Die Auslastung der Druckerei in Göming sei ihm Vorjahr „sehr gut“ gewesen, erklärte Kosmaier. „Wir haben viel Arbeit.“ Die Druckerei kämpfe schon länger mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sagte Gerald Forcher, Geschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) Salzburg. Die Gewerkschaft fordere eine rasche Lösung der Probleme, die aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten des Eigentümers entstanden seien, sagte Forcher zur APA.

„In erster Linie werden wir alles dazu beitragen, damit der Standort in Mittergöming/Oberndorf bestehen bleibt und gesichert wird. Gespräche betreffend einer Übernahme sehen wir in der jetzigen Situation als sehr positiv an“, so Forcher. Bei der Betriebsversammlung sei erklärt worden, dass eine Insolvenz nicht beabsichtigt sei. Die Gewerkschaft hofft auf eine Finanzspritze des Eigentümers oder auf einen Investor, der „im besten Fall die Druckerei übernimmt“. Das Land Salzburg müsse sich dafür einsetzen, das Traditionsunternehmen in Göming zu halten und den 160 Beschäftigten weiterhin einen Arbeitsplatz zu sichern, fordert der Salzburger SPÖ-Chef Walter Steidl.

Die Gewerkschaft ersuchte die Banken um Nachsicht und auch um kurzfristige Überziehungsmöglichkeiten für die betroffenen Beschäftigten. „Die Mitarbeiter sind hochgradig nervös, wenn es für ihre Arbeit keine Löhne mehr gibt“, sagte Forcher. Durch die erteilte Nachfrist über die noch nicht erfolgte Auszahlung der Löhne und Gehälter sei zu erkennen, wie sehr die Beschäftigten hinter der Oberndorfer Druckerei stehen und wie sehr sie sich mit dem Unternehmen identifizieren würden. Das grafische Gewerbe befinde sich in Österreich „in einer sehr schwierigen Situation“, der Wettbewerbsdruck vor allem aus Osteuropa und Deutschland sei enorm.

In Göming werden Versandkataloge, Broschüren, Beilagen und Kataloge sowie Zeitschriften hergestellt. Im Geschäftsjahr 2017 fuhr die Oberndorfer Druckerei einen Verlust von rund 2,1 Mio. Euro ein, 2016 betrug der Verlust noch 1,3 Millionen Euro, geht aus dem „WirtschaftsCompass“ (Firmenbuch) hervor. Der Umsatz betrug 49,7 Mio. Euro im Jahr 2017 (2016: 60,5 Mio. Euro). Im Geschäftsjahr 2017 hat die Druckerei einige größere Aufträge verloren. Die Unternehmensführung war auf APA-Anfrage für eine Stellungnahme vorerst nicht erreichbar.




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