Letztes Update am Do, 18.04.2019 12:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schönborn eröffnet Zubau zu Österreich-Hospiz in Jerusalem



Jerusalem (APA) - Die „Casa Austria“, ein neu errichteter Zubau zum Österreichischen Pilger-Hospiz in der Jerusalemer Altstadt, ist fertig. Feierlich eröffnet und gesegnet wird die „Casa“ am kommenden Donnerstag von Kardinal Christoph Schönborn. Er wird in seiner Funktion als Protektor des Österreichischen Hospizes die Segnung vornehmen, meldet Kathpress am Gründonnerstag.

Zwölf Wohneinheiten kommen durch die „Casa Austria“ an der nördlichen Front des Grundstücks zusätzlich zu den 32 bestehenden Gästezimmern hinzu - womit „endlich“ die bereits zur Eröffnung im Jahr 1863 vorgesehene Gastzimmer-Kapazität erreicht wird, wie Hospiz-Rektor Markus Bugnyar in einem Schreiben betont. Das Pilgerhaus der katholischen Kirche Österreichs in Jerusalem wird jährlich von rund 80.000 Österreichern und Gläubigen aus aller Welt besucht.

„Das Hospiz hat endlich jene Größe, von denen unsere Gründer schon wussten, es braucht sie, um wirtschaftlich sinnvoll aufgestellt zu sein. Nichts weniger als ein ‚Zwei-Jahrhundert-Projekt‘ ist hier gelungen“, so Rektor Bugnyar im Vorfeld der Eröffnung. Gewidmet sei das Hospiz den Pilgern. „Wir sind kein Wellnesstempel und keine Nobelherberge. Wer ‚Pilgern mit Mehrwert‘ möchte, für sich selbst und für andere, ganz im Sinne Jesu, ist bei uns richtig.“

Die Gesamtkosten für die „Casa Austria“ beliefen sich auf 3,4 Millionen Euro und wurden mit Spenden, Eigenmitteln, Zuwendungen der katholischen Kirche, der Bundesländer und einer Förderung der Bundesregierung bestritten. Die Pläne der „Casa Austria“ stammen vom israelischen Architekten Zeev Baran, umgesetzt wird es vom palästinensischen Bauunternehmen Darwisch aus einem Jerusalemer Vorort. Bugnyar kündigte aber weitere Bauarbeiten an. Konkret soll im Altbau in die Sanitäranlagen und die Küche investiert werden. Zudem prüfe man auch die Realisierbarkeit von Solartechnik.

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Das Hospiz hat 36 lokale Angestellte und ist seit den 1990er Jahren auch Einsatzort österreichischer Friedensdiener. Unterstützt werde auch die katholische Pfarre in Gaza, die aus einer im Jahr 1879 vom damaligen Hospizrektor Georg Gatt gegründeten Missionsstation hervorging.

Das Österreichische Hospiz ist das älteste nationale Pilgerhaus im Heiligen Land und liegt an der Via Dolorosa. Das Grundstück für das Österreichische Hospiz wurde 1855 nach einem Besuch von Erzherzog Ferdinand Maximilian - später Kaiser Maximilian von Mexiko - erworben. Acht Jahre später konnte der großzügig dimensionierte Neubau eingeweiht werden. Das Hospiz wurde dem Erzbischof von Wien unterstellt.

Kaiser Franz Joseph besuchte 1869 das Hospiz auf seiner Reise zur Eröffnung des Suezkanals. Der Kaiser wohnte damals in dem kirchlichen Haus. In der Kapelle, dem Herzstück des Hospizes, findet sich die berühmte Darstellung Franz Josephs als König von Jerusalem. Wie seine Vorgänger trug der österreichische Monarch diesen Ehren-Titel. Bis 1918 war das Hospiz Schwerpunkt der österreichischen Präsenz im Orient. Es diente auch als Residenz des österreichischen Konsuls in Jerusalem.

Im Ersten Weltkrieg konfiszierten die Briten nach der Einnahme von Jerusalem das Gebäude. Es wurde in ein Waisenhaus für einheimische Kinder umgewidmet, aber im Sommer 1919 wieder zurückgegeben. Einen Höhepunkt seiner Wirksamkeit erlangte das Haus, als während der Zwischenkriegszeit der damalige Rektor, Franz Fellinger, zum Generalvikar und Weihbischof des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem aufstieg.

1939 wurde das Haus von den Briten als „deutsches Eigentum“ beschlagnahmt, 1948 wurde das Hospiz von den Jordaniern als Lazarett und Krankenhaus für die arabische Bevölkerung eingerichtet. Das Hospiz wurde 1985 von Israel wieder seinem österreichischen kirchlichen Eigentümer zurückgegeben. Es ist heute eine Stiftung der katholischen Kirche in Österreich mit dem jeweiligen Wiener Erzbischof - aktuell Kardinal Christoph Schönborn - als Protektor. Rektor ist der Eisenstädter Diözesanpriester Markus Bugnyar.




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