Letztes Update am Do, 18.04.2019 12:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Baumarktbranche wächst dank Gartensortiments und höherer Preise



Wien (APA) - Baumärkte haben gerade Hochsaison. Wachstumstreiber der Branche sind nicht etwa klassische Baumarktartikel, sondern das Gartensortiment inklusive Möbel sowie Haushaltswaren. Während der Baustoffhandel von der guten Baukonjunktur profitiere, mache den Baumärkten zu schaffen, dass weniger selbst renoviert und saniert werde und die Handwerkerquote sinke, so Berater Andreas Kreutzer.

„Wir können seit Jahren nicht nachvollziehen, warum es einen Do-it-yourself-Boom geben soll“, sagte Kreutzer von Kreutzer, Fischer & Partner zur APA. „Es wird versucht, ein Bild aufrechtzuerhalten, das es nicht mehr gibt.“ Ausmalen sei noch einfach, sobald es aber um Sanitäranlagen oder Elektro gehe, greife kaum jemand selbst hin. Ähnlich sei es beim Boden- oder Fliesenlegen.

Dass klassische Baumärkte wie Obi, Hornbach oder Bauhaus im Vorjahr gewachsen sind, sei vor allem preisgetrieben, so Kreutzer. Zudem sorgte das gute Wetter für eine hohe Nachfrage des Gartensortiments. 2018 stiegen die Umsätze um 2,2 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro. Der gesamte Markt, zu dem auch Baustoffhändler wie Lagerhaus, Hagebau, Hellweg oder Quester zählen, wuchs im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent auf 4,85 Mrd. Euro. Innerhalb des Einzelhandels zählten die Baumärkte und Baustoffhändler damit zu den Branchengewinnern.

Der Markt ist ähnlich konzentriert wie der Lebensmittel- oder Möbelhandel. Die fünf Firmen Obi (30 Prozent), Lagerhaus (23,9 Prozent), Hornbach (17 Prozent), Bauhaus (14,9 Prozent) und Hagebau (10,9 Prozent) beherrschen den Markt. Abgesehen von Lagerhaus sind alle deutschen Ursprungs.

Der Umbruch der Branche wurde 2015 mit der Zerschlagung der österreichischen Baumarktkette bauMax eingeleitet. Damals war bauMax Marktführer. Obi sicherte sich die meisten Standorte und verdoppelte seinen Marktanteil von damals 14,3 auf nunmehr 30 Prozent. Von den ehemals rund 4.000 österreichischen bauMax-Mitarbeitern haben inzwischen fast alle einen neuen Job. Mitte April 2019 waren 14 Personen, die bei bauMax gearbeitet haben, beim Arbeitsmarktservice (S) vorgemerkt, hieß es zur APA. 12 sind arbeitslos und zwei in Schulung.

Wolfgang Richter, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens RegioPlan, ortet eine Stabilisierung der Baumarktbranche. Nach den bauMax-Turbulenzen habe sich der Markt in den letzten drei Jahren erholt, sagte Richter zur APA. Das kräftige Wirtschaftswachstum habe die Bautätigkeit angeregt. Durch die Zerschlagung von bauMax seien auch Verkaufsflächen und Standorte verschwunden. „Das hat zu einer Verringerung des Gesamtmarktes geführt“, erklärte der Standortberater. Gärtner und Gartencenter sowie Onlinehändler hätten davon profitiert.

Die Online-Umsätze der Branche liegen derzeit im einstelligen Bereich. Die Mehrheit geht ins Ausland, etwa zu Amazon. Je nach Produktgruppe liegt der Onlineanteil laut Berechnungen von Kreutzer, Fischer & Partner zwischen 0,3 Prozent für Baustoffe und 13 Prozent für Werkzeuge. Auch Gartenmöbel und -geräte, Elektromaschinen sowie Erde, Samen und Dünger zählen zu jenen Produkten mit höherem Onlineanteil.

Richter erwartet Änderungen bei der Flächennutzung in den Baumarktfilialen, etwa durch Shop-in-Shop-Konzepte. Die Händler hätten „eher zu große Flächen“. Ein Teil der Umsätze werde weiter Richtung Internet verschwinden. International sehe man eine Tendenz zu kleineren Betriebstypen und auch mehr innerstädtischen Filialen.




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