Letztes Update am Do, 18.04.2019 13:45

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


260.000 Euro Schaden: Kärntner Anlagebetrüger schuldig gesprochen



Klagenfurt (APA) - Ein 59 Jahre alter Kärntner ist am Donnerstag am Landesgericht Klagenfurt als Anlagebetrüger schuldig gesprochen worden. Richter Gerhard Pöllinger verurteilte ihn zu 24 Monaten Haft, acht davon unbedingt. Der Angeklagte gab zu, seit 2006 mehrere Geschädigte um insgesamt fast 260.000 Euro gebracht zu haben. Er hatte ihnen Kapitalgarantie und Renditen von bis zu zehn Prozent versprochen.

Der Angeklagte arbeitete früher in einer Bank, wechselte dann ins Versicherungsfach, wo er sich selbstständig machte und Gesellschafter in neu gegründeten Firmen wurde. Seine Misere begann, als eine Haftung schlagend wurde, die er für einen spielsüchtigen Geschäftspartner übernommen hatte, erzählte er vor Gericht. Ein bei der Bank hinterlegtes Sparbuch, das den Betrag eigentlich hätte decken müssen, sei dann plötzlich nicht mehr auffindbar gewesen. Richter Pöllinger überzeugte er mit der Geschichte nicht: „Für mein Gefühl drücken Sie zu sehr auf die Mitleidsmasche.“ Laut Anklage hatten ihn hohe Rückstände beim Finanzamt und der Sozialversicherung in finanzielle Bedrängnis gebracht.

„Er hatte ein feudales Büro, ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass er in finanziellen Schwierigkeiten steckt“, sagte ein Zahnarzt, den der 59-Jährige um fast 90.000 Euro gebracht hatte. Zurückgezahlt bekommen habe er nichts. Der Verteidiger betonte, dass die Geschädigten ihre Quote erhalten hätten. Der Angeklagte ist in Privatkonkurs.

Der Strafrahmen lag in dem Fall bei sechs Monaten bis fünf Jahren. Staatsanwalt Helmut Jamnig: „Der Angeklagte hat nicht nur betrogen, er hat auch fingierte Überweisungsbelege vorgelegt, um seine Opfer zu beruhigen.“ Der Schaden sei hoch und reiche beinahe an die Wertgrenze von 300.000 Euro heran, ab der eine höhere Strafe droht. Der Verteidiger bat um ein mildes Urteil: „Er hat alles verloren.“

Richter Pöllinger entschied sich für die teilbedingte Strafe. „Sie haben Glück, dass sich die Gesetzeslage geändert hat und Vermögensdelikte jetzt weniger streng bestraft werden.“ Allerdings müsse man den Anlegern auch eine kleine Mitschuld geben, man könne ihnen „Blauäugigkeit“ vorwerfen, weil sie an die versprochenen Konditionen glaubten. Der Angeklagte nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist daher nicht rechtskräftig.




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