Letztes Update am Fr, 19.04.2019 09:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landeschronik der Grünen Mark - Die Steiermark vermisst sich neu



Graz (APA) - Nach über 30 Jahren liegt eine neue literarisch-dokumentarische Bestandsaufnahme des Landes an Mur und Mürz vor. „Die Steiermark - eine Landvermessung“ (Brandstätter-Verlag) ist ein legitimer Nachfolger der schon legendären, aber angejahrten „Landeschronik Steiermark“ von 1988. Enzyklopädischen Anspruch will die Neuerscheinung nicht haben - sie ist eben eine Landvermessung und keine Landerfassung.

Der Band breitet sich auf über 600 Seiten prächtig aus, besticht mit wundervollen Foto-Impressionen und Luftbildern steirischer Landschaften und zeigt in Faksimiles kaum bis überhaupt nicht bekannte Dokumente oder gemalte Bilder, wie etwa den Einmarsch der französischen Division Montrichard in Eisenerz am 28. Dezember des Jahres 1800. Manche Artefakte wie die im Band abgebildete, in Kleinklein gefundene Bronzemaske und die „Abwehrhände“ aus Bronze aus der Hallstatt-Zeit schlummerten am Ende des vergangenen Jahrtausends noch in der Erde.

Die alte „Landeschronik Steiermark“ stammt aus dem Jahr 1988 und ist ebenfalls im Brandstätter-Verlag erschienen. Sie umfasste 480 Seiten und war gänzlich anders aufgebaut, ja stammt eigentlich aus einer gänzlich anderen Zeit. Hobbyhistorikern und Journalisten war sie bisweilen - in Zeiten ohne Online-Nachschlagewerke - ein unentbehrlicher Helfer und auch Ideengeber. Der chronologische Aufbau nach Jahren wurde von 489 bis 1988 abgedeckt - sieben Jahre vor Österreichs EU-Beitritt. Die „Landvermessung“ hingegen erzählt in Essays, Porträts und Interviews weiß-grüne Geschichten und Geschichte.

Ein Schwachpunkt mag die Herangehensweise an die Forschung in der Steiermark sein - natürlich müssen die Leistungen der „Beutesteirer“ Fritz Pregl oder Johannes Kepler gewürdigt werden. Die Wissenschaft lässt sich gut in Biografien vergangener großer Geister beschreiben, die aktuelle Forschung - immerhin die Grundlage von Beschäftigung, Wohlstand, Wissen und dessen Weitergabe - findet allerdings kaum Raum. Dabei gibt es wenige steirische Politikerreden, die nicht die hohe Forschungsquote des Landes rühmen. Da bleibt die viel zitierte steirische Breite etwas zu schmal. Gleiches trifft auf die mangelnde Streuung der Autorenschaft in einigen Kapiteln zu.

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Herausgegeben wurde die „Landvermessung“ vom früheren Sekretär der steirischen ÖVP-Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und nachmaligem Bundesratspräsidenten und Österreichkonvent-Vorsitzenden Herwig Hösele. Der andere Herausgeber ist der Grazer Soziologe Manfred Prisching.

(S E R V I C E - „Steiermark - eine Landvermessung“. Brandstätter-Verlag 2019, 50 Euro, 608 Seiten, rund 800 Faksimile und Farbfotos)




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