Letztes Update am Fr, 19.04.2019 10:37

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Vorhang auf für Cyrano“: Ein Film als Liebeserklärung an das Theater



Wien (APA) - Dieser Film ist wahrhaft kitschig. Ein verstaubter Kostümschinken, das Spiel so dick aufgetragen wie die Schminke der Darsteller. Und genau deshalb ist dieser Film ganz wunderbar. „Vorhang auf für Cyrano“ feiert hemmungslos die Magie des Theaters und entführt in das Paris der Belle Epoque. Wer weder für das eine noch für das andere schwärmt, der dürfte die Flucht ergreifen. Ab Freitag im Kino.

Der Pariser Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Alexis Michalik (36) - der in seinem Film Rostands erfolgreichen und eingebildeten Konkurrenten Georges Feydeau spielt - begeisterte sich vor vielen Jahren für Joe Maddens „Shakespeare in Love“. Im Mittelpunkt des mit sieben Oscars gekrönten Films steht die Entstehungsgeschichte von „Romeo und Julia“. „Damals fragte ich mich, warum es für Frankreich keinen ähnlichen Film gibt. Aber das Ganze blieb zunächst ein Gedankenspiel.“ Jahre später stieß er auf die Umstände, unter denen der damals 29-jährige Autor Edmond Rostand „Cyrano de Bergerac“ schrieb und einen unbeschreiblichen Erfolg landete. „Als ‚Cyrano‘ 1897 die Bühne eroberte, hat er einen ähnlichen Hype erzeugt wie 2011 ‚Game of Thrones‘“, so Michalik in den Presseunterlagen zu seinem am 26. April in Österreich startenden Film.

Vor seinem Kinoprojekt, mit dem Michalik nach zwei Kurzfilmen sein Langfilmdebüt gibt, stand allerdings erneut ein Stück. Nach zwei erfolgreichen Theaterstücken aus eigener Feder, brachte er 2016 seine dramatisierte Idee als „Edmond“ auf die Bühne und gewann damit zwei „Prix Moliere“ als bester Autor und bester Regisseur. Auch seine Verfilmung spielt naturgemäß vorwiegend im Theater und in anderen Innenräumen - Wohnungen, Kaffeehäusern, Nachtbars. Ohne doppelte Böden und ironische Distanz vermischt er dabei das Pariser Flair mit dem Duft der Bühnenwelt. „Mein Film ist eine Liebeserklärung ans Theater, an seine Schauspieler, seine Handwerkskunst und seine Illusionsmaschinerie.“ Dass diese betonte Naivität nicht bestürzt, sondern betört, ist das eigentliche Wunder.

Der 28-jährige Schauspieler Thomas Soliveres, den Michalik auf dem Theaterfestival in Avignon kennenlernte, spielt den jungen, erfolglosen, verheirateten Bühnenautor Edmond Rostand, dem die Komödien, mit denen Kollege Feydeau von Erfolg zu Erfolg eilt, nicht gelingen wollen. Er liebt die Kunst des klassischen Reims. Die kommen zwar beim Publikum nicht so recht an, umso mehr aber bei jener hübschen Garderobiere (Lucie Boujenah), in die sich sein gut aussehender Freund, der Schauspieler Leo (Tom Leeb), verschaut hat und bei dessen Schmachten und Werben er souffliert.

Daraus entwickelt sich eines der zentralen Motive des berühmten Stückes, das Rostand innerhalb von drei Wochen aus dem Hut zaubern soll. Denn der populäre Schauspieler und Theaterleiter Coquelin (Olivier Gourmet) nimmt sich auf Vermittlung der berühmten Sarah Bernhardt (Clementine Celarie) seiner an. Er braucht dringend einen Hit, um seine ebenso aufsässigen wie zwielichtigen Geldgeber zufriedenzustellen. Edmond startet ein Himmelfahrtskommando und Coquelin die Proben zu einem Stück, von dem auch der Autor vorerst lediglich den Titel kennt: „Cyrano de Bergerac“. Doch allen Widrigkeiten und Probenkatastrophen zum Trotz wird die Premiere am 28. Dezember 1897 zu einem einzigartigen Triumph und das Stück zu einem der größten Erfolge der französischen Dramenliteratur.

(S E R V I C E - www.filmladen.at/film/vorhang-auf-fuer-cyrano)




Kommentieren