Letztes Update am Fr, 19.04.2019 10:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Montenegros Präsident verklagt regierungskritische Tageszeitung



Podgorica (APA) - Montenegros Präsident Milo Djukanovic hat eine Klage gegen die regierungskritische Tageszeitung „Vijesti“ bzw. ihren Eigentümer Daily Press und den flüchtigen Geschäftsmann Dusko Knezevic eingereicht. Anlass lieferte ein am 16. März veröffentlichtes Interview, in welchem Knezevic schwere Vorwürfe gegen den Staatschef erhebt.

Djukanovic, der behauptet, dass das Interview auf die Entstehung eines negativen Bildes über ihn in der heimischen und internationalen Öffentlichkeit abzielte, fordert eine Entschädigung für den nichtmateriellen Schaden in der Höhe von 100.000 Euro, meldeten Medien in Podgorica unter Berufung auf die Anwaltskanzlei von Ana Djukanovic, der Schwester des Präsidenten.

Knezevic hatte im Gespräch mit „Vijesti“ erklärt, dass es Aufnahmen gebe, die beweisen würden, dass Djukanovic gesetzwidrige Spenden angenommen habe. Der montenegrinische Staatschef kündigte bereits nach der Veröffentlichung an, Knezevic zu verklagen.

Der Geschäftsmann, der einst enge Kontakte zur regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) und ihrem Chef Milo Djukanovic hatte, wurde kürzlich selbst angeklagt, gesetzwidrige Kredite seiner Atlas Bank im Wert von 12,5 Millionen Euro vergeben zu haben. Die Bank leitete inzwischen ein Konkursverfahren ein.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Knezevic, der auch die britische Staatsbürgerschaft besitzt, wird in London vermutet. Seine Anhänger hatten am Donnerstagnachmittag vor der Staatsanwaltschaft in Podgorica demonstriert. Der Geschäftsmann erhob in einer Videoansprache an die Demonstranten erneut Vorwürfe gegen Djukanovic.

Er sei zu Bestechungen gezwungen worden, um in Montenegro Geschäfte machen zu können, sagte Knezevic darin. Die Familie Djukanovic wolle „alles für sich haben“ und seine Geschäfte übernehmen, wurde aus der Ansprache von der Tageszeitung „Vijesti“ am Freitag zitiert.

Djukanovic, Chef der regierenden DPS, ist in Montenegro seit 1991 fast ununterbrochen als Ministerpräsident oder Staatschef an der Macht. Montenegros Präsident hatte im Jänner bestätigt, dass Knezevic, Chef der Atlas-Gruppe, die regierende Demokratische Partei der Sozialisten durch Finanzspenden unterstützt hatte. Es handle sich aber nicht um jene Geldsumme, von der Knezevic spreche, präzisierte damals Djukanovic.

Knezevic hatte zuvor ein Video veröffentlicht, auf welchem zu sehen war, wie er einem DPS-Spitzenfunktionär vor den Parlamentswahlen im Jahre 2016 einen Umschlag mit angeblich 100.000 Euro überreicht hatte. Im DPS-Finanzbericht war die Spende nicht vorgekommen. Die sogenannte Finanzaffäre „Umschlag“ hatte Anfang Februar zu Protesten in Podgorica geführt. Die Protestbewegung „Lehne dich auf“, die für Samstag weitere Proteste angekündigt hat, hat sich von Knezevic unterdessen distanziert.




Kommentieren